Bernhard Peter
Entwurf von Bürgerwappen in heutiger Zeit

Bei der Neuannahme von deutschen Bürgerwappen und deren Gestaltung und Entwurf sollten ein paar prinzipielle Gedanken Beachtung finden, damit das Ergebnis den Stifter, die dokumentierende Wappenrolle und auch zukünftige Generationen zufriedenstellt:

Motivwahl:

Helm-Darstellung:

Helmzier

Übergang Helm-Helmzier:

Sonstiges zur Darstellung:

Wieviel Familienbezug muß rein?
Ein Familienwappen ist für die gesamte Familie gültig und soll nicht nur den Wappenstifter repräsentieren. Ein Familienwappen ohne Familienbezug ist also per se undenkbar. Nur darüber, was Familienbezug ist, läßt sich trefflich unterschiedlicher Ansicht sein.

Ein vernünftiger Ansatz liegt wie so oft dazwischen. Genealogie spielt bei der Wappenstiftung eine duale Rolle:

Vernünftig wäre zu sagen: Die Genealogie schafft einen Fundus von Wissen über die Familie, aus dem man schöpfen KANN, aber keinesfalls MUSS.

Ein Wappen schafft Bezug zwischen verschiedenen Mitgliedern einer Familie wie ein Namen, der ebenfalls gemeinsam ist. Das ist das Wesen eines Wappens und sollte nicht aus den Augen verloren werden. Das ist Familienbezug für mich.

Einen Zwang zur graphischen Verwertung genealogischer Informationen kann und soll es aber nicht geben. Manchmal gibt die Genealogie was her, manchmal nicht. Aber auf Teufel-komm-raus da was zu versuchen, ergibt eine Farce im Stile von "Mein Uropa hatte mal einen Schäferhund". Das ist keine Gestaltung, sondern Willkür.

Daß eine Wappenstiftung aber von dem Zusammentragen eines möglichst detaillierten Wissen über die Familie begleitet werden sollte und daß man bei der Stiftung auch stets versuchen sollte, etwas zu schaffen, mit dem ein größerer Personenkreis (Agnaten des Stifters) sich identifizieren kann, ist irgendwo selbstverständlich. In diesem Sinne halte ich Genealogie und Familienbezug für unverzichtbar. Genauso sollte man aber auch den Mut haben, sich von Anregungen zu trennen, die nicht relevant und mit Sicherheit nicht für zukünftige Generationen typisch und identifikationsfähig sind.

Entscheidend ist doch eigentlich die Frage: Wie kriege ich eine überzeugende Graphik, die paßt? Denn wenn ich versuche, möglichst viele Details aus der Geschichte zusammenzustellen, kommt kein Wappen raus, sondern ein Schrotthaufen.

Jeder Fall muß zudem individuell bewertet werden: Was gibt der Name an Assoziationen her? Bedeutung des Familiennamens? Entscheide ich mich für eine abstrakte oder gegenständliche Umsetzung eines redenden Wappens? Welche Traditionen erachtet die Familie selbst als wichtig? Oder gibt das alles nichts Überzeugendes her, so daß ich mich mit voller Absicht für etwas Neues entscheide?

Wenn die Möglichkeit zu einem "graphisch großen Wurf" besteht - so sollte ihr der Vorzug gegeben werden vor heraldischer Detailsammlerei nach "Schema F", die letztendlich sehr viele enttäuschende und beliebige 0815-Wappen schafft. Die ausführliche Recherche über die Familie wird dadurch aber nicht überflüssig.

Ein Wort zu Cliparts
Immer wieder tauchen Cliparts einschlägiger Programme auf. Deshalb ein genereller Kommentar dazu:

1. Es handelt sich zumeist bei käuflichen Cliparts um Produkte aus der neuen Welt, die im wesentlichen Vorlagen aus einem Buch von Fox-Davies über Heraldik in Großbritannien abgekupfert und digital aufbereitet haben. Wir haben in Deutschland und Zentraleuropa generell eine lebendige heraldische Tradition, die Meisterwerke hervorbringt - man braucht nur in die DWR zu schauen. Clips made in Übersee unverändert und zu mehr als als bloßem Anschauungsmaterial zu verwenden, wäre ein echtes Armutszeugnis für einen deutschen Heraldiker, zumal die Vorlagen von geradezu kindlicher Naivität sind, wie man sich dort jenseits des Atlantiks eben Heraldik vorstellt.

2. Die Vorlagen für die käuflich erwerbbaren Cliparts entstammen der britischen Heraldik, die in einigen Dingen anders ist als die deutsche Heraldik. Damit sind die Clips im Ausgangszustand ungeeignet.

3. Die Vorlagen entstammen nicht der Blütezeit der Heraldik, sondern der Zeit 19./20. Jh., sind also nicht geeignet, die Besinnung auf guten heraldischen Stil der Blütezeit zu fördern.

4. Wir haben in Zentraleuropa so unendlich viel gutes Anschauungsmaterial direkt vor unserer Haustür, wir brauchen nur die Augen zu öffnen und es wahrzunehmen. Wir haben nun wirklich nicht nötig, uns diesbezüglich von Phantasieprodukten von Firmen in Übersee, die offensichtlich wenig Ahnung von Heraldik haben und sich auch nicht die Mühe gemacht haben, sich am in Zentraleuropa üblichen heraldischen Stil zu orientieren, abhängig zu machen. Aus purer Bequemlichkeit unsere eigene heraldische Kultur aufzugeben und uns auch hier selbstverleugnend an Kitsch aus Übersee zu orientieren halte ich für den denkbar falschesten Weg.

5. Die Vorlagen sind keine Eigenentwicklungen, sondern aus heraldischen Werken von Fox-Davies etc. abgekupfert. Wer sie verwendet, unterstützt damit das Abkupfern. Im Gegenteil - die lebendige Tradition und die Neuschöpfung individueller Aufrisse verdient unsere Achtung.

6. Ein Wappen soll so individuell und einzigartig sein wie die Familie, für die es steht. Diese Clips degradieren ein Wappen aber zu Massenware, und so sehen die Produkte auch aus. Eine Familie hat aber Besseres verdient. Clipart-Produkte sind ohne Inspiration, ohne Geschichte, ohne Kunstfertigkeit, ohne Handwerkskunst, seelenloses gestalterisches Fastfood.

7. Es wird oft angeführt, die Clips seien geeignet zum schnellen Skizzieren. Das ist korrekt, nur leider bleibt es dann meist bei dieser Stufe, und der "gute Aufriß" unterbleibt. Cliparts sind gestalterisches Fastfood, "MacWappen". Zum einfachen Visualisieren kann man das natürlich nehmen für jemanden, der sich etwas eben absolut nicht vorstellen kann. Aber man kann auch mit einer schnellen Bleistiftskizze visualisieren. Aber wer noch nicht mal das selber hinkritzeln kann, sollte es lieber ganz lassen als sich der genannten Clips bedienen, soweit meine persönliche Ansicht. Eigentlich verstößt es gegen die Ehre eines ernsthaften Heraldikers, sich dieser Sachen zu bedienen. Das ist so ähnlich, wie wenn ich absolut nicht frei sprechen kann und Angst vor Publikum habe, mich aber als Redner anbiete und vor Publikum dann einen Kassettenrecorder mit der schlechten Rede eines Anderen laufen lasse, die nur so etwa zum gewünschten Thema paßt. Auch davon sollte man besser die Finger lassen.

8. Problematisch ist der Einsatz dieser Clips für seriöse Heraldiker vor allem dadurch, daß sich hier sehr gerne typische Scharlatane bedienen und genau diese Clip-Produkte in schwindlerischer Absicht verhökern. Einschlägig bekannte Titel- und Wappenschwindler benutzen genau diese Vorlagen für ihre Machwerke, die den Namen Wappen nicht verdienen. Davon sollte man sich weitestmöglich distanzieren. Als ernstzunehmender Heraldiker sollte man optisch so viel Abstand wie möglich zu diesen Machwerken bringen.

Beurteilung von Wappen und ihren Aufrissen
Und nun hat der Stifter eine erste Zeichnung, meist selbst entworfen, und möchte wissen, ob diese etwas taugt. Ich bekomme immer wieder selbst erstellte Zeichnungen zugeschickt, wo der stolze Ersteller sich schwer tut, diese zu bewerten. Daher diese allgemeinen Bemerkungen hier.

Im Vorfeld möchte ich anmerken, daß nirgendwo verbindlich durch Rechtsnormen festgelegt ist, was "richtig" in der Heraldik ist. Entsprechend gehen die Meinungen darüber, was als heraldisch "korrekt" anzusehen ist, auch unter Heraldikern auseinander. In vielen Basisgrundsätzen herrscht überall Einigkeit, während verschiedene andere Sachen je nach Heraldiker und Wappenrolle enger oder freier ausgelegt werden. Doch das Fehlen von verbindlichen Rechtsnormen darf keineswegs als Freibrief verstanden werden, diese historische Hilfswissenschaft zu revolutionieren, wie manche mangels tieferer Kenntnisse in falsch verstandenem Modernismus gerne tun möchten. Natürlich kann man in Deutschland zeichnen, was einem gefällt, aber ob es korrekt und angemessen ist und von anderen Heraldikern so gesehen wird, steht auf einem ganz anderen Blatt. In der Heraldik ist der Spruch "erlaubt ist, was gefällt" schlicht Unsinn. Denn zum Wesen der Heraldik gehört untrennbar der künstlerische Ausdruck innerhalb gewachsener Konventionen und durch Übereinkunft entstandener Regeln.

Als korrekt ist mangels verbindlicher Rechtsnormen anzusehen, was begründet für korrekt gehalten wird. Begründet wird Korrektheit a) durch historische Belege, durch einen repräsentativen Querschnitt durch das Originalmaterial in Stein, Holz, Papier, Metall etc. und daraus abgeleitete Befunde und Erkenntnisse, also durch historische Evidenz, b) durch billigende Übereinkunft derjenigen, die aufgrund des wissenschaftlichen Quellenstudiums zu bestimmten Ansichten und Einsichten gekommen sind, was dem Wesen und Aussehen eines Wappens damals zur Blütezeit der Heraldik in der heutigen Zeit am nächsten kommt, was natürlich immer dem neuesten Stand der Forschung entsprechen sollte. Auch hier ist die historische Evidenz und ihre Beurteilung unerläßlich.

In der Regel liegt der Zeichner richtig, wenn er einen Blick in die gängige Fachliteratur wirft: Z. B. Wappenfibel, Leonhard, und wie sie alle heißen. Wenn man sich daran hält, dem folgt, wo sie alle einig sind, das aber im Geiste der Blütezeit der Heraldik interpretiert, wo sie sich widersprechen, liegt man schon mal ganz gut.

Im folgenden daher ein subjektiv erstellter und mit Sicherheit unvollständiger Kriterienkatalog, anhand dessen jeder selber überprüfen kann, ob ein selbst erstellten Wappen zumindest meinen Erwartungen an gute Wappenkunst in Deutschland entspricht:

Schild:
- Form: Rundschild, Dreieckschild oder Tartsche, keine ausländischen Schildformen im deutschsprachigen Raum, keine Verwendung von im deutschsprachigen Raum unüblichen Details wie die „Ohren“ angelsächsischer Schilde
- angemessenes Verhältnis von Höhe und Breite des Schildes (siehe Fachliteratur)
- stilistische Kongruenz mit Oberwappen, paßt der Schildtyp zur Decke? Und zum Helm?
- angemessene Größe im Vergleich zum Oberwappen vor dem Hintergrund des Stiles (siehe Fachliteratur)
- Bei frontalem Helm ein frontaler Schild, außer bei Darstellungen im Stil des frühen Mittelalters
- bei geneigtem Schild ausgeglichener Gesamteindruck, Neigungswinkel angemessen, ca. 20-25 Grad, bei Neigung eines alleinstehenden Schildes ausschließlich Rechtsneigung, bei zwei Schilden einanderzugeneigt.
- Wenn die Schildstärke durch einen Schatten angedeutet wird: Ist diese bei Rundschilden und Dreiecksschilden korrekt heraldisch links und nicht heraldisch rechts? Bei Tartschen gelten besondere Verhältnisse - aber ist hier auch die Perspektive nachvollziehbar?
- Wird bei der Wahl einer Tartsche auf den Gesamteindruck geachtet?
- Wird die Schildform und Stellung des Schildes korrekterweise nicht blasoniert?

Schildbild:
- Aufbau, Anzahl der Motive: Wird das Weniger-ist-mehr-Prinzip eingehalten?
- Aufbau: Handelt es sich um ein klares Wappen mit einer möglichst geringen Anzahl Feldern? Unterliegt der Stifter nicht dem Mißverständnis vielfeldriger historischer Wappen, die aber erst im Laufe der Zeit durch Kombination einzelner Elemente entstanden sind? Wird der Schildaufbau nicht grundlos verkompliziert?
- Ist das Schildbild flächig und nicht plastisch dargestellt? Das ausnahmsweise belegte Vorhandensein von plastischen Prunkschilden sollte nicht zum Vorbild dienen, sondern der klassische, flächig bemalte Schild.
- Umgang mit dem Schildrand: Ist der Schildrand eindeutig begrenzt und besteht keine Verwechslungsgefahr der Randgestaltung mit einer Bordierung?
- Wird der sog. heraldische Stil eingehalten?
- Motiv: Wäre die Darstellung an einem echten Ritter der Spätgotik als Schild vorstellbar? Das Motiv muß in die Zeit passen oder zeitlos sein! Es verbieten sich daher alle gemeinen Figuren, die unverwechselbar der Neuzeit angehören. Handelt es sich um Objekte, die vor der Renaissance bekannt waren, und die eine hinreichende Bekanntheit besaßen? Handelt es sich um eine Darstellung des Objektes in einer Form, die zur Blütezeit der Heraldik cum grano salis üblich war? Paßt das Motiv in die Zeit der Spätgotik/Renaissance?
- Handelt es sich um Motive, die nicht nur zeitlich bekannt gewesen sein konnten, sondern hatten die Menschen der Spätgotik/Renaissance auch eine realistische Chance, Kenntnis vom Motiv zu haben, oder ist das Motiv einem damals geographisch unzugänglichen oder gar unentdeckten Raum, Land, Kontinent etc. zuzuordnen? Paßt das Motiv in die regional erreichbare und zugängliche Welt der Spätgotik/Renaissance?
- Ist das Schildbild etwas, das ein der Gedankenwelt der Vor-Neuzeit verhafteter Mensch als angemessen empfinden würde? Vermittelt es Wertvorstellungen, die der Blütezeit der Heraldik angemessen sind? Gemeint ist: Keine Karikaturen, keine Obszönitäten, kein Comic-Strip-Stil etc., was dem Geist eines Schildmotives widerspräche. Paßt das Motiv in die Gedankenwelt der Spätgotik/Renaissance?
- Wird der Stilisierung der Vorzug vor einer natürlichen Darstellung gegeben? Werden die Figuren plakativ, vereinfacht, zeichenhaft dargestellt, wo es geht?
- Werden keine gegensätzlichen Darstellungsmethoden wie „natürlich“ und „stilisiert“ im selben Schildbild kombiniert?
- Ist die Raumausnutzung im Schild so, daß der Schild oder das Feld so weit wie möglich ausgefüllt werden, ohne daß das Objekt den Platz zu sprengen droht? Ist die Raumausnutzung ausgewogen?
- Wird das Prinzip eingehalten, wenn das Objekt sehr komplex wird, lieber ein Pars pro toto zu verwenden? Findet Beschränkung auf das Wesentliche statt?
- Wird im Schild auf Zentralperspektive verzichtet?
- Findet Typisierung statt? Unheraldisch ist die Darstellung bestimmter Gegenstände oder Objekte.
- Wenn Gestaltung mit Buchstaben stattfindet: Werden diese zur Gestaltung von Schildteilungen verwendet oder - schlecht - als „Schrift“ eingesetzt? Werden nur in Zentraleuropa übliche Schriftarten zur Gestaltung herangezogen (weder arabisch noch griechisch noch kyrillisch)?
- Ist das Schildbild übersichtlich? Stehen die einzelnen Bestandteile in Bezug zueinander? Nehmen sie Rücksicht aufeinander? Wirkt das Schildbild kohärent?
- Ist das Schildbild einheitlich? Werden nicht zu viele unterschiedliche gemeine Figuren, zu viele verschiedene Breiten/Stärken/Dicken nebeneinander verwendet?
- Ist das Schildbild einmalig und von hinreichender Differenzierung gegenüber ähnlichen, bestehenden Wappen? Wird die Ähnlichkeitsprüfung in Bezug auf gängige deutsche Sammlungen bestanden?
- Ist die Motivwahl plausibel und originell?
- Sind die Positionen der Objekte und Teilungen hinreichend definiert und folgen sie üblichen Positionsangaben?
- Werden diese Positionsangaben in der Blasonierung mit üblichen und möglichst wenigen Worten beschrieben?
- Sind alle Heroldsbilder und Figuren von einer einheitlichen schwarzen Begrenzungslinie etwa überall gleicher Stärke umgeben?
- Wenn es Abweichungen vom Gesagten gibt - sind diese unwesentlich oder begründet und vertretbar?
- Sind in der Blasonierung hinreichende Angaben gemacht, um alle wesentlichen Teile des Schildbildes eindeutig zu beschreiben?
- Sind in der Blasonierung Richtungsangaben hinreichend, wo nötig, und korrekt (insbesondere rechts/links)?

Tingierung:
- Wird die gängige Farbpalette kräftiger, reiner Farbtöne verwendet (rot (etwa Zinnoberrot), blau (etwa Kobaltblau oder Azurblau), schwarz, grün (etwa Schweinfurter Grün), gold, silber)? Sind alle Farben in einem einheitlichen und kräftigen Grundton wiedergegeben ohne Nuancierungen (hellblau, dunkelblau, mitternachtsblau etc.)?
- Ist die Anzahl der Tinkturen auf das notwenige Minimum beschränkt (Idealfall 1:1)? oder wirkt das Wappen wie ein Karnevalswappen?
- Wird in der Blasonierung einheitlich Gold bzw. Silber verwendet, und nicht die Begriffe Gelb/Gold und Weiß/Silber vermischt?
- Wird Inkarnat nur für Gesicht, Hände, Füße verwendet und nicht als selbständige Tinktur?
- Wird Purpur nur zum Tingieren von Hüten, Kronen, Helminneres, Wappenmäntel verwendet (wir machen Heraldik in deutscher Tradition) und nicht als Schildfarbe?
- Wird die Farbe im Schild stets gleichmäßig und ohne Farbverläufe (z. B. von rot nach blau oder von rosa nach dunkelrot) angewandt?
- Wird die Farbregel eingehalten, wo es geht? Ist der Kontrast maximal? Ist ein Verstoß gegen die Farbregel evtl. durch eine Spaltung oder Anwendung des Prinzips der verwechselten Farben umgehbar? Wenn eine Schildteilung gewählt wird, wo ein Verstoß gegen die Farbregel erforderlich ist, wird jeweils die kürzestmögliche Strecke zur Verstoßgrenze? Wenn die Farbregel verletzt wird, ist der Anteil an Verstoßgrenze zur gesamten Grenzlinie im Schild akzeptabel?
- Sind die Nebenteile wie Klauen, Zungen, Schnäbel etc. farblich abgesetzt und entsprechend blasoniert? Wenn sie nicht farblich abgesetzt sind - ist es vom Gesamteindruck heraldisch vertretbar?
- Werden die Figuren im Schild flächig dargestellt und nicht schattiert?
- Werden die Tiere - sofern nicht ausdrücklich abweichend blasoniert, in angreifender, dynamischer Stellung abgebildet? Man achte aber darauf, daß solche Stellungen nicht guter Heraldik entsprechen, die von der Typisierung eines Tieres in starker Position abweichen.
- Ist die Raumausnutzung der Schildfläche optimal? Sind die Freiräume zwischen den Figuren angemessen groß? Stehen die Figuren größenmäßig in einem angemessenen Verhältnis zu dem Feld?

Schraffur:
- Folgt die Schraffur den üblichen Verläufen?
- Ist der Linienabstand hinreichend gleichmäßig und der Größe angemessen?
- Kippt die Schraffur bei einem geneigten Schild mit?
- Ist die Lage der Linien so, daß bei kritischen Teilen wie Augen möglichst wenig diese zerstörende Überschneidungen auftreten?

Helmdecke:
- Ist die Decke ein Tuch? Florale Girlanden mit Blüten oder Blättern oder Früchten sind unheraldisch.
- Ist das Tuch zurückzuführen auf eine ebene Fläche, ein Stück Tuch eben, das eingeschnitten wird? Ohne größe Näharbeiten und keine Mehrlagigkeit?
- Sind die Windungen der Helmdecke technisch möglich?
- Tingierung: Bekommen wir irgendwie auch beide Seiten der Helmdecke zu sehen? Metall innen? Farbe außen? Sind alle einzelnen Windungen korrekt eingefärbt?
- Ist die Farbigkeit so klar und einfach wie möglich?
- angemessene Farbwahl, heraldisch übliche Farben
- Werden die Hauptfarben des Schildes zitiert?
- Stilistische Kongruenz zu den anderen Wappenbestandteilen?
- Angemessene Größe der Helmdecke in Höhe und Breite? Vgl. Leonhard S. 114 als Richtlinie, als angemessen wird dort für ein modernes Wappen 3:2:3:4-5 angegeben. Die Helmdecke sollte also in Höhe und Breite das 5fache der durch 3 dividierten Schildhöhe nicht wesentlich überschreiten.
- Ist die Verteilung der Farbflächen harmonisch? Herrscht Ausgewogenheit und optisches Gleichgewicht? Ist die Gesamtwirkung stimmig?
- Ist bei Profildarstellungen die Helmdecke so geschnitten, daß sich keine Kollision mit dem Profil-Helm ergibt? Gut ist eine asymmetrische Helmdecke, möglich ist eine symmetrische Helmdecke, wenn der Eindruck dennoch stimmig ist
- Sind bei en-face-Darstellungen beide Teile der Helmdecke weitgehend symmetrisch?
- Ist die Helmdecke eine graphische Eigenleistung oder ein Produkt des Kopierers?
- Sitzt die Helmdecke gut am Helm? Liegt sie auch richtig dem Kopf auf? Nicht nur dem Nacken entspringend?
- Haben alle hinter dem Schild hervorkommenden Helmdeckenteile einen nachvollziehbaren Ursprung aus dem „Kopf-Tuch“?
- Hat die Helmdecke bündigen Kontakt zum Schild ohne größere Lücken?
- Ergibt sich bei wachsenden Figuren ohne Wulst die Helmdecke zwanglos aus der Helmzier? Und teilt mit dieser die Außenfarbe?
- Werden die Helmdecken bei einer Frontalansicht insgesamt nach vorne eingeschlagen, so daß sie den Wappenschild schützend umgeben, nicht nach hinten?
- Verdecken Teile der Helmdecke den Schildinhalt?
- Wird die Helmdecke korrekterweise nicht in der Blasonierung erwähnt?

Helmzier
1. Das Motiv:
- Motivwahl: Handelt es sich um ein Motiv, das auch im Mittelalter hätten existieren können?
- Ist die Motivwahl plausibel, originell und nicht direkt einem anderen Wappen mit hohem Wiedererkennungswert übernommen?
- Praktikabilität: Läßt sich die gewählte Figur auch realiter am Helm befestigen? Etwas, das nur auf dem Papier Bestand hätte, ist als Helmzier ungeeignet (eine Welle z. B., ein Libellenflügel).
- ist ein der Figur angemessener Übergang zwischen Helm und Helmzier gewählt worden?
2. Die Darstellung
- Angemessene Perspektive der HZ: Sind Lebewesen in Seitenansicht dargestellt? Eine natürliche Figur in Vorderansicht wirkt in den meisten Fällen unheraldisch.
- angemessene Farbwahl, heraldisch übliche Farben
- Dimensionen der HZ: von der Konzeption her nicht zu wuchtig und ausladend, denn ein solcher Helm sollte tatsächlich getragen werden können, ohne daß das Gewicht der Zier zum Hindernis wird. Aus diesem Grund ist ein Pars pro toto immer besser als ein ganzes Objekt, eine wachsende Figur besser als eine stehende etc.
- Plausible Tingierung: Wenn die Helmzier wachsend dargestellt wird, sollte die Figur in Farbe tingiert sein, damit die Farbe bei der Helmdecke auch außen ist. Wenn die Figur in einem Metall tingiert werden soll, ist die Variante mit Wulst besser, damit bei der Helmdecke außen Farbe sein kann.
- Keine Verwendung von Zentralperspektive, insbesondere bei geometrisch klar begrenzten Objekten
- existiert in allen Bereichen eine saubere, schwarze Umrißlinie, die die Farbflächen voneinander abgrenzt?
- Ist die Zeichnung eine eigene Zeichnung oder ist das Objekt komplett woanders eingescannt und einkopiert? Liegt eine Eigenleistung des Zeichners vor?
- Ist die Darstellungsweise so, daß ein der Gedankenwelt der Vor-Neuzeit verhafteter Mensch das als angemessen empfinden würde? Vermittelt es darstellerische Vorstellungen, die der Blütezeit der Heraldik angemessen sind? Gemeint ist: Keine Karikaturen, keine Obszönitäten, kein Comic-Strip-Stil etc. Paßt das Motiv und seine zeichnerische Umsetzung in die Gedankenwelt der Spätgotik/Renaissance?
3. Der Kontext:
- Proportionen im Gesamtkontext 3:2:3
- der Übergang zwischen Zier und Helm sollte so gefällig und unauffällig wie möglich sein oder durch einen Wulst kaschiert werden.
- Haben Helm und Helmzier die gleiche Blickrichtung? Ist der Körper der Figur zumindest genau in Blickrichtung des Helmes?
- Sitzt die Helmzier fest auf dem Helm und ist nicht schwebend dargestellt?
4. Blasonierung:
- Ist die Blasonierung präzise genug?
- Werden abgewandte Objekte erwähnt?
- Ist die Blasonierung für die Helmzier so abgefaßt, daß Richtungsbezeichnungen absolut sind und auch bei einem alternativen Aufriß Profil / en face verständlich und eindeutig bleiben?

Gesamteindruck:
- Passen die Teile größenmäßig zusammen? Werden die gängigen, beim Durchschnitt historischer Beispiele aus der Blütezeit der Heraldik üblichen und von Fachleuten für heutige Wappen empfohlenen Proportionen eingehalten? Entsprechen die Größenverhältnisse denen der echten Waffen? Werden die für heutige Wappen üblichen Proportionen z. B. nach Leonhard S. 114 (Helmzier: 3 Teile, Helm: 2 Teile, Schild: 3 Teile, Helmdecke cum grano salis 4-5 Teile in Höhe und Breite) eingehalten?
- Wird das Weniger-ist-mehr-Prinzip eingehalten? Je klarer und einfacher die Darstellung, desto besser ist sie
- Passen die Teile stilistisch zusammen? Sind alle Bestandteile etwa aus der selben Zeit entlehnt? Alle Elemente in einem Wappen müssen vom Stil her schlüssig sein. Die Schildform muß zu Helm und Helmdecke passen.
- Sind alle Pflicht-Bestandteile vorhanden (Schild mit Wappeninhalt = Figuren (Schildbild, Motiv) und festgelegte Farben, Helm, Helmdecke, Helmzier = Helmfigur = Helmkleinod?
- Ist bei den Prunkstücken angemessene Zurückhaltung gegeben? Paßt die Gesamtdarstellung zur Familie?
- Ist der Gesamteindruck stimmig? Ergänzen sich alle Bestandteile gegenseitig optimal und erzeugen sie einen harmonischen Gesamteindruck?
- Schattierungen: Sind sie auf das Oberwappen beschränkt? Kommt der Lichteinfall von heraldisch rechts oben („11 Uhr“)?

Wenn der Stifter eine Zeichnung hat, die all diesen Kriterien genügt: Meinen Glückwunsch!

Führungsberechtigung:

Literatur, Links und Quellen:
Heinrich Hussmann: Über deutsche Wappenkunst: Aufzeichnungen aus meinen Vorlesungen, Guido Pressler Verlag, Wiesbaden 1972
Wappenfibel, Handbuch der Heraldik, hrsg. "Herold", Verein für Heraldik, Genealogie und verwandte Wissenschaften, Verlag Degener, Neustadt 1981
Walter Leonhard: Das große Buch der Wappenkunst, Bechtermünz Verlag 2000, Callwey Verlag 1978
Georg Scheibelreiter: Heraldik, Oldenbourg Verlag Wien/München 2006, ISBN 3-7029-0479-4 (Österreich) und 3-486-57751-4 (Deutschland)
Dieter Engelhardt, Der richtige Weg zum eigenen Familienwappen
Dieter Engelhardt: Familienwappen, Informationen für Neuschaffung, Führung, Annahme und Erforschung

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