Bernhard Peter
Historische heraldische Exlibris (54)

Exlibris von unbekanntem Künstler:
Dieses um 1650 entstandene Blatt ist von einem Künstler, der das Blatt unten mit "H W f(ecit)" signiert hat. Die Initialen stehen für Hans Rudolf von Erlach und seine Ehefrau Edith von Erlach. Die Einfassung ist zeittypisch üppig und überladen. Der Rahmen enthält im oberen Teil drei geflügelte Engel, die aus der überquellenden Ornamentik herauswachsen, und im unteren Teil mehrere groteske Masken, seitlich zwei im Profil, unten zwei übereinander en face.

 

Bei dem Wappen handelt es sich um ein Allianzwappen. Beide Schild tragen den gleichen Inhalt, das Wappenbild der von Erlach, in Rot ein silberner Pfahl, belegt mit einem schwarzen Sparren. Doch die Kleinode sind unterschiedlich, das des Ehemannes heraldisch rechts ist das klassische Erlach-Kleinod, auf dem Helm mit rot-silbernen Decken ein wie der Schild bez. Spitzhut, oben besteckt mit einem Hahnenfederbusch. Heraldisch links sieht man für die Ehefrau einen mit dem schwarzen Sparren belegten, wachsenden Frauenrumpf mit langem Zopf. Das Wappen wird beschrieben bei Wolfert, Tafel 9 Seite 50 und im Siebmacher Band AnhA Seite 17 Tafel 9, BraA Seite 25 Tafel 14, PrGfE Seite 27 Tafel 18, Supplemente 7, Tafel 29, Siebmacher 1, Tafel 200, Band: SchlA1 Seite: 27 Tafel: 21.

 

Bei den von Erlach handelt es sich um eine schweizerische Familie mit Wurzeln im Patriziat der Stadt Bern. Der Name bezieht sich auf die Ortschaft Erlach am Bielersee. Sie stiegen dort zu einem der führenden Stadtgeschlechter auf, stellten insgesamt sieben Schultheißen und wurden den sechs "wohledelfesten" Geschlechtern zugerechnet. Zu ihren Besitzungen gehörten Hindelbank, Jegenstorf, Wyl, Riggisberg, Thunstetten, Bümpliz sowie das Schloß und die Herrschaft Spiez, ferner die Herrschaften Oberhofen am Thunersee, Kiesen und Kasteln. In Bern besaßen sie die sog. Bubenberghäuser, an deren Stelle später um 1750 der Erlacherhof errichtet wurde. Über Militärdienste in Diensten fremder Fürsten entstanden Familienzweige außerhalb der Schweiz, z. B. in Sachsen-Anhalt (August Leberecht von Erlach war Hofmarschall in Anhalt-Bernburg) oder Preußen (Friedrich August von Erlach (1721-1801) war königlich preußischer Generalleutnant). Ein Zweig wurde mit dem österreichischen Feldmarschalleutnant Hieronymus von Erlach (1667-1748), einer schillernden Persönlichkeit (wurde z. B. wegen seiner Bigamie von Frankreich zum Geheimnisverrat erpreßt) mit großer staatsmännischer Begabung, dem größten Grundbesitzer Berns und größten Schlösserbauer der Familie, im Jahre 1712 von Kaiser Franz VI. in den erblichen Reichsgrafenstand erhoben.

Exlibris von Lorenz Rheude:
Dieses zweifarbig gedruckte Bücherzeichen wurde von Lorenz M. Rheude (17.12.1863-1.5.1939) im Jahre 1907 für die aus Thüringen stammende und in der Niederlausitz, im einst preußischen Teil der Oberlausitz (Rothenburg und Noes) sowie in Pommern begüterte Familie von Kutzschenbach gezeichnet. Das Blatt ist durch eine Scheinarchitektur aus Bogenstellungen auf mit roten Schrägstreifen umringelten Säulen in vier ganz ungleich große Flächen aufgeteilt. Im größten Bogenfeld hält ein gekrönter, linksgewandter Löwe den Wappenschild der von Kutzschenbach, er ist geteilt, oben golden-blau gespalten mit einem Sparren in verwechselten Tinkturen, unten rot mit einem schreitendem, silbernen Wolf, die hier nicht dargestellte Helmzier wäre zu rechts blau-goldenen und links rot-silbernen Decken der silberne Wolf wachsend (nach Siebmacher Band: PrE Seite: 121 Tafel: 103). In der Literatur finden sich äußerst widersprüchliche Angaben zu diesem Wappen, denn in Siebmacher Band: Pr Seite: 224 Tafel: 275 steht noch, der Schild sei geteilt, oben blau-golden gespalten mit einem Sparren in verwechselten Tinkturen, unten auf Silber ein auf grünem Boden schreitender roter Wolf, also in allen Teilen invertierte Farben, doch das ist inkorrekt und wird in Band: PrE Seite: 121 Tafel: 103 korrigiert. Die gleiche falsche Farbverteilung ist im Rietstap/Rolland und im Siebmacher ThüA Seite 101 Tafel 80. Und in Siebmacher Band: Reu Seite 6 Tafel 4 wird der Schild als oben blau-golden gespalten beschrieben, darin ein durchgehender Sparren verwechselter Tinktur, unten in Rot auf grünem Boden schreitend ein silberner Windhund (nicht Wolf oder Fuchs, sic). Daß letztere Sichtweise nicht zutrifft, erkennt man anhand des Blattes, welches eindeutig einen Wolf zeigt. Weitere Belege finden sich im Siebmacher Band Sa Seite: 36 Tafel: 40 folgt diesen Farbangaben, benennt das Tier aber als Fuchs. Und um die Angaben vollends vielfältig werden zu lassen, gibt es auch noch die Angabe eines natürlichen Wolfes, denn in Siebmacher Band SchlA3 Seite 93 Tafel 58 ist der geteilte Schild oben blau-golden geteilt, unten in Rot auf grünem Boden ein natürlicher schreitender Wolf. Da hier im Exlibris weder Farben noch Schraffuren angegeben werden, ist es dem Betrachter überlassen, welchem Band Siebmacher er sich in seiner Betrachtung anschließt, am ehesten wohl Band: PrE Seite: 121 Tafel: 103, weil es sich ausdrücklich um eine Korrektur handelt.

 

Die Familie hatte mehrere Nobilitierungen, am 10.12.1730 erhielt Heinrich Friedrich Kutzschenbach, Landkammerrat in Sachsen-Weimar, den Reichsadelsstand, ebenso am 6.9.1740 Christiane Maria Kutzschenbach, am 13.4.1743 Johann Augustin Kutzschenbach und am 19.11.1745 Johann Gottfried Kutzschenbach, alle mit dem angegebenen Wappen. Etliche Familienmitglieder standen in preußischen Diensten, darauf weist das Wappen des Königreichs Preußen im optisch rechten unteren Schmalfeld hin, in Silber ein königlich gekrönter, schwarzer, golden bewehrter und rotgezungter Adler mit goldenen Kleestengeln auf den Flügeln und goldenem preußischen Königszepter rechts und Reichsapfel links in den Fängen sowie den verschlungenen Initialen FR (für Fridericus Rex, König Friedrich I.) auf der Brust. Daß die Familie im Reußischen ansässig war, sieht man an der diagonal über das Blatt reichenden Standarte, die der schildhaltende Löwe in seiner linken Vorderpranke hält, und deren im optisch rechten oberen Feld befindliches Bannertuch das Wappen Reuß von Plauen trägt, es ist geviert, Feld 1 und 4: in Schwarz ein rotbewehrter und rotgekrönter goldener Löwe (Reuß), Feld 2 und 3: in Silber ein goldener, schreitender Kranich (Herrschaft Kranichfeld). Das verbleibende Feld optisch oben links zeigt eine Waldlandschaft mit sich darüber erhebendem Schloß.

 

Exlibris von Ernst Krahl:
Dieses Blatt ohne Jahr wurde vom Wiener Hofwappenmaler Ernst Krahl (26.10.1858-22.11.1926) für die Familie Rainer von Harbach entworfen und in der Kunstanstalt M. Jaffé in Wien gedruckt. Das in Rasterdruck hergestellte Blatt besitzt eine dezente, hellbraun gehaltene Rahmenarchitektur mit einem Bogen auf zwei Säulen, von der sich das vierfarbige Wappen leuchtend bunt abhebt. Das Künstlermonogramm befindet sich schwarz am unteren Bildrand. Oben ist der Rahmenarchitektur noch ein monochromer Löwenschild aufgelegt. Das nicht im Siebmacher verzeichnete Wappen der Rainer von Harbach hat in einem blau-rot gespaltenen Schild mit einem goldenen Sparren unten eine goldene Kugel, die oben mit zwei silbernen Straußenfedern besteckt ist, welche nach auswärts fallen und die Sparrenschenkel überkreuzen, auf dem gekrönten Helm mit rechts blau-goldenen und links rot-silbernen Decken ein blau-rot gespaltener spitzer Hut mit Aufschlag, oben mit zwei silbernen Straußenfedern besteckt.

 

Dr. Franz Anton Rainer, Advokat und k. k. Hofkammerprocurator in Klagenfurt, hatte sich 1752 Schloß Harbach in Kärnten, am östlichen Stadtrand von Klagenfurt im Stadtteil St. Peter gelegen, gekauft; der Vorbesitzer war Hofkammerprokurator Josef Karl von Keller. Dieses war ein mittelalterlicher Rittersitz, der 1213 erstmals mit den Brüdern "Reimbotus und Hermannus de Horbach" urkundlich erwähnt wurde. Der genannte Dr. Franz Anton Rainer wurde 1752 in den Adelsstand erhoben, und seitdem benannte sich die Familie nach Schloß Harbach. Des Erwerbers Sohn, Dr. Alois Rainer von Harbach, war im Bergbau in Kärnten und als Industrieller mit einer Bleiweißfabrik tätig. Er verkaufte wegen der durch Kriegsjahre jäh veränderten Vermögensverhältnisse der Familie das Schloß im Jahre 1791 schon wieder, ebenso den Besitz Emmersdorf, aber der Beiname blieb. Das Schloß, das nach 1791 erst der Gräfin Marianne Platz, dann der Gräfin Marianne von Strassoldo, ab 1798 Johann Baptist von Grolle und 1866 August Graf von Leiningen-Westerburg gehörte, um nur einige Besitzer der vielen zu nennen, wurde zwischen 1893 und 1962 mehrfach in erheblichem Ausmaß umgebaut, so daß kaum noch etwas von alter Bausubstanz übrig ist, und dient seit mehr als einem Jahrhundert dem Frauenorden vom Guten Hirten und der Kärntner Diakonie, der es heute gehört. In der Klosterkirche hat sich ein um das Jahr 1755 entstandenes Wappenfenster des Rainer von Harbach mit einem Allianzwappen erhalten. Hervorhebenswerte Familienmitglieder waren der oben bereits erwähnte Dr. Alois Ritter von Rainer, Advokat und Landes-Ausschuß in Klagenfurt, vermählt mit Maria Anna Edle von Glaunach, und deren Sohn Johann Ritter von Rainer zu Harbach (6.7.1752-18.9.1859), auf den der Schrotturm von 1824, eine 1813 gegründete Glätte-Fabrik in Gurlitsch in Krumpendorf und die 1850 gegründete Minium-Fabrik für Farbpigmente auf Bleioxidbasis in Saag am Nordufer des Wörthersees zurückgehen, was der Familie erneuten Wohlstand bescherte, so daß 1842 das Gut Freyenthurn angekauft werden konnte. Johann Rainer von Harbach war Besitzer der wichtigsten Firma zur Bleigewinnung  und -verarbeitung in Kärnten im 19. Jh. Weiterhin erwähnenswert ist Hans Rainer zu Harbach (28.1.1863-25.3.1935), Verwaltungsbeamter und Geologe, der 1919 eine besondere Rolle bei der Besetzung Klagenfurts durch jugoslawische Truppen spielte und großes Geschick walten ließ.

Exlibris von Lorenz Rheude:
Dieses Bücherzeichen wurde von Lorenz M. Rheude (17.12.1863-1.5.1939) im Jahre 1906 für die Bürgerschule Markneukirchen gestaltet. Das hochrechteckige Blatt wird von zwei oben nach innen gebogenen Eichenschößlingen eingerahmt. Im oberen Teil ist das Kommunalwappen auf zwei schräggekreuzten Schwertern abgebildet, darunter schlingt sich das Schriftband mit der Eignernennung um die seitlichen Äste, und im untersten Teil ist die Schule selbst zu sehen, das heutige Gymnasium Markneukirchen, dessen Bau zwar modernisiert wurde, aber im wesentlichen noch genau so wiederzuerkennen ist wie dargestellt.

 

Das Kommunalwappen zeigt in blauem Feld einen goldenen Löwen. Heute wird das Wappen der Stadt Markneukirchen (Vogtlandkreis, Sachsen) zusätzlich innerhalb eines goldenen Bordes geführt. Das Motiv des Löwen ist dem Wappen der Vögte von Plauen entnommen, und das älteste Stadtsiegel mit dem Löwen stammt aus dem 15. Jh., aber die Feldfarbe wurde im Gegensatz zum Wappen der Vögte von Schwarz zu Blau geändert, in Anpassung an die Stadtfarben. Auch vereinigt das Wappen so zwei wichtige Familien: Die Marktgründer waren zwar die Vögte von Plauen, von denen das Löwenmotiv genommen wurde, aber die im 13. Jh. gegründete Siedlung an sich hieß erst "Nothaft" nach dem egerländischen Rittergeschlecht Nothafft, denn Albertus Nothafft von Wildstein (in Skalná in Tschechien) hatte damals oberpfälzische Leute in dieses Gebiet geführt und ansässig gemacht. Erst als die Kirche neu errichtet wurde, wurde der Name nach dem Bau der Kirche lautet der Ortsname "Nuwenkirchen" geprägt. 1360 wurde das Stadtrecht bestätigt. Es gibt eine Urkunde von 1378, in dem der Ort als "Nuwenkirchen dictum Nothaft" bezeichnet wird. Diese Nothafft führten ebenfalls die Wappenfarben Blau und Gold. Der heute von der Stadt geführte, hier im Exlibris aber noch nicht verwendete Bord dient der Unterscheidung von sehr ähnlichen Wappen.

Exlibris von Alexander von Dachenhausen:
Ein heraldisches Exlibris aus dem Jahr 1901, entworfen von Alexander von Dachenhausen (5.9.1848-3.11.1916) für Dr. med. Paul von Schoenebeck. Die Künstlersignatur des im vorliegenden Beispiel oben beschnittenen Blattes ist unten in der Mitte, etwas nach links versetzt, und die Jahreszahl findet sich in zwei Ziffernpaare aufgeteilt in der Blattmitte innerhalb der beiden seitlichen Ausbuchtungen des Rahmens. Die Ausführung des Blattes ist künstlertypisch von äußerster Akkuratesse.

Das Wappen zeigt in Blau einen silbernen Wellenbalken, begleitet von drei (2:1) silbernen Rosen, auf dem gekrönten Helm mit blau-silbernen Decken eine silberne Rose zwischen einem rechts silbernen, links blauen Flug. Es wird beschrieben im Siebmacher Band: Bay Seite: 113 Tafel: 138 sowie im Rietstap/Rolland. Ein namensgleiches Wappen mit gleichem Schildinhalt, aber drei silbernen Straußenfedern als Kleinod wird im Westfälischen Wappenbuch gelistet.

 

Exlibris von Lorenz Rheude:
Dieses Bücherzeichen wurde von Lorenz M. Rheude (17.12.1863-1.5.1939) im Jahre 1910 für Heinrich Theodor von Kohlhagen (30.4.1885-18.4.1918) gestaltet. Der Eigner, bekannt als aus Nürnberg stammender Heraldiker, Genealoge und Historiker und Autor zahlreicher Fachpublikationen (vor allem in den heraldisch-genealogischen Blättern des Vereins St. Michael, z. B. über Nürnberger Geschlechterwappen, ein kurzer Abriß der Familienkunde, über moderne Heraldik im Kunstgewerbe, über den "deutschen Raubritter" als Beitrag zur deutschen Ständegeschichte, über die Geschichte der heraldischen Helme, über den Uradel Altbayerns, über die Familie Oelhafen, aber auch über Burgen wie Burg Freyenfels und Schlösser wie Dennenlohe), war der Sohn von Theodor Wilhelm Arnold Philipp von Kohlhagen, königlich-bayerischer Bahn-Ober-Expeditor, und dessen Frau Christine Friederike Therese Oelhafen von und zu Schoellenbach. Sein Forschungsschwerpunkt war Franken, insbesondere Nürnberg (wo im GNM sein Nachlaß aufbewahrt wird) und Bamberg sowie die Oberpfalz. Er zählt zu den Gründern des Vereines St. Michael (Verein deutscher Edelleute) im Jahre 1905. Sein Wappen ist aus weiteren Exlibris bekannt, hier sehen wir nur ein unvollständiges Wappen, lediglich die linke Spalthälfte im ganzen Schild, in Blau ein mit drei roten Rosen belegter, silberner Schrägbalken (vollständiges Wappen im Siebmacher, Band Bay, Seite: 90, Tafel: 106). Der Schild ist hier einer weiteren Rose aufgelegt. Die Familie am 27.4.1825 von König Max I. von Bayern in den Adelsstand erhoben worden.

 

Exlibris von Lorenz Rheude:
Dieses Bücherzeichen wurde von Lorenz M. Rheude (17.12.1863-1.5.1939) im Jahre 1909 für Johann(es) Dorn entworfen. Die Datierung ist unten links, das Künstlermonogramm unten rechts außerhalb des Rahmens. Stilisierte Äste formen einen äußeren rechteckigen und inneren eselsrückenbogigen Rahmen, und der Zwischenraum ist mit kleinen, zufällig aneinandergesetzten Kreisen strukturiert. Im Bogen ist das Vollwappen der Familie Dorn, ein mit drei viereckigen, auf die Spitze gestellten Gürtelschnallen mit Kleeblattecken belegter Pfahl, auf dem bewulsteten Helm ein auf jedem Flügel mit dem Schildbild belegter Flug. Das nicht in der Standardliteratur zu findende Wappen ist ein redendes, weil der Familienname Dorn als Gürtelschnallendorn dargestellt wird, weil erst durch die Schnalle der Dorn als solcher eindeutig erkennbar wird. Zwei weitere Schilde ergänzen in den oberen Ecken die Komposition, der eine mit einem aufgeschlagenen Buch, auf den Seiten die griechischen Majuskeln Alpha und Omega, das Buch von einem Kreuz überhöht, der andere Schild mit einem Schrägbalken, der oben von zwei Lilien, unten von zwei Sternen begleitet wird, jeweils nach dem Balken gelegt. Die Tinkturen sind unbekannt (Hinweise willkommen).

 

Exlibris von Lorenz Rheude:
Dieses Bücherzeichen wurde von Lorenz M. Rheude (17.12.1863-1.5.1939) im Jahre 1904 für Friedrich Wilhelm von Wernick(e) aus München entworfen. Datierung und Künstlermonogramm befinden sich unten rechts auf dem dunklen, äußeren Rahmen. Das Schriftband nennt "Ex libris Friderici Guil(helmi) Werneck Monachii". Für den Namen gibt es die Schreibweisen von Werneck, von Wernecke, von Wernick und von Wernicke. Das Wappen ist gespalten, rechts in Gold ein halber, schwarzer, golden gekrönter Adler am Spalt, links in einem silbern-blau schräggeteilten Feld ein rotes Herz, aus dem oben drei grüne Kleeblätter hervorwachsen, das Herz überdeckt von einem schwarzen Schrägbalken, auf dem gekrönten Helm mit rechts rot-goldenen und links blau-silbernen bzw. nach anderer Angabe rechts schwarz-goldenen und links schwarz-silbernen (letzteres wird durch die Schraffur im Blatt hier bestätigt, und so wird es auch in den Tyroffschen Wappenbüchern dargestellt) Decken zwei wachsende, sich überkreuzende, geharnischte Arme, deren Hände je einen Stengel mit drei grünen Kleeblättern halten. Zwei widersehende Greifen, die auf den äußeren Zügen des dreiteilig gefalteten Schriftbandes stehen, dienen als Schildhalter.

Die Erhebung des ursprünglich aus Gardelegen in der Altmark stammenden Geschlechtes in den Reichsadelsstand erfolgte am 21.5.1688 für Christian Friedrich Wernicke (1659-7.8.1701), kurbrandenburgischer Kapitän von der Artillerie und Oberstleutnant. Eine Adelsbestätigung erhielt er am 12.8.1691 von Kurfürst Friedrich III von Brandenburg. Das Wappen wird beschrieben im Siebmacher Band: Pr Seite: 443 Tafel: 484, Band BraA Seite 104 Tafel 63, ferner im Rietstap/Rolland unter dem Namen Wernicke und im v. Ledeburschen Adelslexikon III. S. 102.

 

Exlibris von Ernst Krahl:
Dieses Blatt ohne Jahr wurde vom Wiener Hofwappenmaler Ernst Krahl (26.10.1858-22.11.1926) für die Familie Schmidt-Altherr entworfen. Das Wappen wird hier zur Nebensache der Blattgestaltung, denn das zweigeteilte Blatt zeigt in der größeren Zone ein rechteckig gerahmtes Landschaftsfenster mit Blick auf ein aus einem Fichtenwald auf eine Lichtung heraustretendes Reh, dessen Kopf kitschig von einer Strahlensonne nimbiert wird. Vor diesem Blick nach draußen ist eine Gruppe von Büchern drapiert, und ein äußerer, reich dekorierter Rahmen überscheidet den Rechteckrahmen. Ganz oben befindet sich ein von zwei Rosenblüten beseitetes Schriftband mit dem Motto "Pro Veritate" - für die Wahrheit. Das linksgewendete Vollwappen lehnt optisch links in der unteren Ecke des oberen Feldes, Baumstämme und Reh etwas verdeckend, und es zeigt einen achtstrahligen, facettierten Stern, auf dem Helm ein wachsender, bekleideter Arm, der einen Hammer hält, letzteres ein redender Bezug zum Namen Schmidt. Das Wappen findet sich nicht in den Standardsammlungen, Hinweise zu den Tinkturen (vermutlich blau-golden) willkommen.

 

Exlibris von Ernst Krahl:
Dieses Blatt ohne Jahr wurde vom Wiener Hofwappenmaler Ernst Krahl (26.10.1858-22.11.1926) für Dr. Hugo Springer (9.1.1873-18.6.1920) entworfen, Abt des Klosters Seitenstetten. Der Wappenschild ist durch einen schmalen silbernen Stab gespalten, rechts in Rot auf einem grünen Dreiberg ein silbernes Astkreuz, das Querholz schrägrechtsgestellt (Stiftswappen), links in Blau mit einer aus dem linken Obereck hervorbrechenden goldenen Strahlensonne über grünem Schildfuß eine brennende, goldene, antike Öllampe mit Fuß und Henkelgriff, auf dem gekrönten Helm eine auffliegende Eule. Die Helmzier gehört zum persönlichen Teil des Abtswappens, denn das Stiftswappen hätte nach Siebmacher Band Klöster Seite 8 Tafel 15 als Kleinod auf dem Helm mit rot-silbernen Decken auf einem grünen Dreiberg das silberne Astkreuz zwischen zwei Büffelhörnern, das rechte silbern, das linke rot. Auf der Schildoberkante ruht rechts eine Inful, links ragt hinter dem Schild ein Krummstab heraus. Die Devise unter dem Schild lautet: "IN DOMINO CONFIDO" - in vertraue in den Herrn.

 

Der in Behamberg in Niederösterreich (nahe beim oberösterreichischen Steyr) als Bauernsohn geborene Karl Springer trat nach dem Besuch des Stiftsgymnasiums Seitenstetten im Jahr 1892 in die 1112 durch Stiftung gegründete Abtei ein und legte am 9.9.1893 die Profeß ab. Karl wählte als geistlichen Namen Hugo. Er studierte am Benediktinerkolleg Sant'Anselmo in Rom und 1895-1897 an der Universität Innsbruck. Zunächst war die Ausbildung rein theologisch, und am 26.7.1897 wurde er zum Priester geweiht. Bis 1899 war er Kooperator in Allhartsberg. Anschließend widmete er sich dem Lehramt am Stiftsgymnasium, das er einst selbst besucht hatte, doch zuvor studierte er Mathematik und Physik an die Universität Innsbruck geschickt und schloß 1903 mit der Lehramtsprüfung ab, anschließend promovierte er zum Dr. phil. Neben Mathematik und Physik unterrichtete er auch noch Französisch. Die Lehrtätigkeit am Kloster hat eine lange Tradition, bereits im Jahrhundert seiner Gründung gibt es erste Hinweise auf eine Klosterschule. Doch erst 1814 bekam das Stiftsgymnasium das Öffentlichkeitsrecht, und zügig wurde die Schule zum Obergymnasium ausgebaut.

Dr. Hugo Springer war schließlich vom 29.12.1908 bis zu seinem Tod am 18.6.1920 Abt des Benediktinerstiftes Seitenstetten, als Nachfolger von Dominik II. Hönigl, der vierzig Jahre im Amt war (1868-1908) und unter dem das Gymnasium und der Konvent ihre höchste Blüte erreichten. Von der zwölfjährigen Amtszeit des Abtes Hugo Springer waren vier durch den ersten Weltkrieg geprägt, in dem das Stift erhebliche finanzielle und wohltätige Leistungen erbrachte und in der von diesem Abt erbauten Schulturnhalle ein Rekonvaleszentenheim für Soldaten einrichtete. Das ausgeprägte Engagement der Abtei in Seelsorge und Lehre verhinderten seine Aufhebung. Unter diesem Abt wurde das gesamte Kloster renoviert und es bekam als eines der ersten Klöster erst eine gasbetriebene und dann eine elektrische Beleuchtung. Abt Hugo Springer verstarb in Rom, wo er als Vertreter der österreichischen Benediktinerkongregation weilte. Sein Nachfolger als Abt wurde sein Bruder Theodor Springer, der das Stift durch Notverkäufe durch die Wirtschafskrise rettete und ohne Aufhebung durch den Zweiten Weltkrieg führte, und er wurde auch der erste Abtpräses der 1931 gegründeten Österreichischen Benediktinerkongregation und blieb es zeitlebens bis zu seinem Tod im Jahre 1958.

Literatur, Quellen und Links:
Elke Schutt-Kehm, Exlibris-Katalog des Gutenberg-Museums, 2. Teil, Band 1: A-K, 720 Seiten, 1685 Abb., Verlag Claus Wittal, Wiesbaden, 1998, ISBN 978-3-922 835-31-8.
Elke Schutt-Kehm, Exlibris-Katalog des Gutenberg-Museums, 2. Teil, Band 2: L-Z, 736 Seiten, 1795 Abb., Verlag Claus Wittal, Wiesbaden, 1998, ISBN 978-3-922 835-32-5
Claus Wittal, Eignerverzeichnis zum Exlibris-Katalog des Gutenberg-Museums, Verlag Claus Wittal, 2003, 336 Seiten, 595 Abb., ISBN 978-3-922 835-33-2
Siebmachers Wappenbücher wie angegeben
Erlach: Norna Labouchère, Ladies' Book-plates: An Illustrated Handbook for Collectors and Book-lovers, G. Bell & sons, 1895, S. 238, online:
https://archive.org/details/ladiesbookplate01labogoog, speziell beschrieben hier: https://archive.org/stream/ladiesbookplate01labogoog#page/n276/mode/2up
von Erlach
http://de.wikipedia.org/wiki/Erlach_(Adelsgeschlecht)
Hans Braun, von Erlach, in: Historisches Lexikon der Schweiz, online:
http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D20041.php
Erlach: Alfred F. Wolfert, Aschaffenburger Wappenbuch, Veröffentlichung des Geschichts- und Kunstvereins Aschaffenburg e. V., Aschaffenburg 1983, Tafel 9 Seite 50
Rietstap/Rolland
von Kutzschenbach: Neues allgemeines Deutsches Adels-Lexicon, V, 342
von Kutzschenbach: Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Briefadeligen Häuser 1907-1939
von Kutzschenbach: Genealogisches Handbuch des Adels Band 97
Schloß Harbach:
http://de.wikipedia.org/wiki/Schloss_Harbach
Schloß Harbach:
http://www.burgen-austria.com/archive.php?id=1254
Kloster Harbach:
http://www.diakonie-delatour.at/ueber-uns/geschichte/kloster-harbach
Hans Rainer zu Harbach:
http://www.biographien.ac.at/oebl/oebl_R/Rainer-Harbach_Hans_1863_1935.xml
Johann von Rainer:
http://rimar1.magix.net/public/html/von_rainer.html
Markneukirchen:
http://de.wikipedia.org/wiki/Markneukirchen
Nothafft:
http://de.wikipedia.org/wiki/Notthafft_(Adelsgeschlecht)
Gymnasium Markneukirchen:
http://www.gymnasiummarkneukirchen.de/ - http://www.gymnasiummarkneukirchen.de/1_Doc/doc_2013_2/Prsentation_Mkn_1_2013.pdf
Geschichte Markneukirchen:
http://www.markneukirchen.de/index.php/de/geschichte-submenu/markneukirchen - http://www.markneukirchen.tagarod.de/html/entstehung_mkn.html
Markneukirchen: Lexikon Städte und Wappen der DDR, VEB Bibliographisches Institut Leipzig, Hrsg.: Heinz Gröschel, 3. Auflage, 1985
H. v. Kohlhagen, Publikationen:
http://opac.regesta-imperii.de/lang_en/autoren.php?name=Kohlhagen%2C+Heinrich+Theodor+von
Hugo Springer, in: Biographia Benedictina (Benedictine Biography), Version vom 8.7.2013, URL:
http://www.benediktinerlexikon.de/wiki/Springer,_Hugo
Institut für Neuzeit- und Zeitgeschichtsforschung, Österreichisches Biographisches Lexikon 1815-1950, Springer, Hugo (Karl) (1873-1920), Abt, Publikation: ÖBL 1815-1950, Bd. 13 (Lfg. 59, 2007), S. 52-53. Online: 
http://www.biographien.ac.at/oebl/oebl_S/Springer_Hugo_1873_1920.xml
Stift Seitenstetten:
http://www.most-wiki.at/index.php?title=Stift_Seitenstetten - http://www.mom-ca.uni-koeln.de/mom/AT-StiASei/SeitenstettenOSB/fond#Stiftsgeschichte
Seitenstetten. Kunst und Mönchtum an der Wiege Österreichs. Katalog zur niederösterreichischen Landesausstellung 1988, Katalog des Niederösterreichischen Landesmuseums, Neue Folge Nr. 205, Wien 1988.
Illusion und Illustration. Altomonte. Reise in eine 300 Jahre alte Bilderwelt. Katalog zur gleichnamigen Sonderausstellung im Stift Seitenstetten 2003, Stift Seitenstetten 2003.
Benedikt Wagner, Stift Seitenstetten, Kunstführer Nr. 662, 4. Auflage, München 1988.
Stift Seitenstetten:
http://www.stift-seitenstetten.at/ - http://www.stift-seitenstetten.at/geschichte-benediktinerstift-seitenstetten/

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