Bernhard Peter, Gernot Ramsauer und Alex Hoffmann
Photobeispiele redender Wappen

Wie im vorangegangenen Kapitel erläutert, ist ein redendes Wappen ein solches, das den Namen bildlich umsetzt, wo Übereinstimmung zwischen dargestellten Inhalten einerseits und mit dem Namen assoziierten Inhalten andererseits besteht. Dafür finden sich zahlreiche Beispiele, insbesondere beim städtischen Patriziat und Bürgertum. Im folgenden wird eine Reihe redender Wappen aus Nürnberger Kirchen vorgestellt:

Abb. links: Glasfenster in der Frauenkirche zu Nürnberg. Das Wappen der Holzschuher (Holzschuher von Harrlach) ist ein redendes Wappen, denn es zeigt in Gold einen schwarzen, oft auch rot gefütterten Holzschuh mit silberner Einfassung. Es handelt sich dabei nicht um einen Holzschuh holländischer Machart, wie wir ihn heute typischerweise mit dem Begriff assoziieren, sondern um einen Schuh mit hölzerner Fußbettplatte (Rist), die auf zwei senkrecht untendrunter montierten Doppelfüßen (Stollen) steht, so daß man damit auch über feuchte und schmierige Straßen trockenen Fußes gehen konnte. Auf dem Helm mit rot-goldenen Decken wird ein wachsender, rot gekleideter Mohrenrumpf mit roter, golden gestulpter Mütze geführt. Die Holzschuher sind ein bedeutendes Nürnberger Ratsgeschlecht.

Abb. Mitte: Glasfenster in der Sebaldskirche zu Nürnberg. Es ist das redende Wappen der Familie Eisvogel zu sehen, in Silber drei (2:1) rotbewehrte, blaue Eisvögel mit silbernem Bauch. Auf dem Helm mit silbern-roten Decken auf einem silbernen, rot aufgeschlagenen Turnierhut sitzend ein rotbewehrter, blauer Eisvogel mit silbern abgesetztem Bauch. Der Name ist in Schild und Helmzier Programm. Die ratsfähige Familie ist bereits 1420 mit Anthoni Eisvogel ausgestorben.

Abb. rechts: Glasfenster in der Frauenkirche zu Nürnberg. Das Wappen der Schlüsselfelder (Schlüsselfelder von Kirchensittenbach) ist ein redendes Wappen, denn es zeigt in von Silber und Schwarz geteiltem Schild drei deichselförmig im Dreipaß gestellte Schlüssel an einem gemeinsamen Ring in verwechselten Farben. Auf dem schwarz-silbern bewulsteten Helm mit schwarz-silbernen Decken ein offener Flug, jeweils mit dem Schildbild. Das Wappen wird im Siebmacher (Band: BayA1 Seite: 90 Tafel: 90) beschrieben. Dort wird auch eine zweite Helmzier erwähnt, ein wachsender schwarzer Mannesrumpf mit einer schwarz-silbernen Binde um den Kopf, aus der ein schwarzer und ein silberner Schlüssel ragen, Decken ebenfalls schwarz-silbern. 1536 wurde die Familie der Schlüsselfelder in Nürnberg ratsfähig.

Linke Abb.: Glasfenster in der Sebaldskirche zu Nürnberg. Redendes Wappen der Familie Grabner, sie führen im roten Schild zwei schräggekreuzte silberne Grabscheite (Spaten) mit der Schaufel nach oben. Auf dem Helm mit hier nur roten, sonst rot-silbernen Decken zwei schräggekreuzte silberen Grabscheite (Spaten) wie im Schild. Das alte Nürnberger Ratsherrengeschlecht starb 1458 mit Sebald Grabner aus.

Mittlere Abb.: Glasfenster in der Frauenkirche zu Nürnberg. Redendes Wappen der Pilgram (Pilgram von Eyb), in Silber drei (2:1) rote Jakobsmuscheln oder Pilgermuscheln. Muscheln als Symbol des Jakobsweges waren ein überall geläufiges Pilgersymbol. Auf dem Helm mit rot-silbernen Decken führen sie einen offenen silbernen Flug, beiderseits je mit einer roten Pilgermuschel belegt (Schöler Tafel 56, Seite 82, Siebmacher Band: BayA1 Seite: 116 Tafel: 118). Im 13. und 14. Jh. waren Familienmitglieder im Nürnberger Rat, Anfang des 15. Jh. verlieren sich die Spuren. Mit den landadeligen von Eyb haben sie keine beweisbare genealogische Verwandtschaft.

Rechte Abb.: Glasfenster in der Stiftskirche St. Martha zu Nürnberg. Das Schürstab-Wappen zeigt in Silber zwei schräggekreuzte, schwarze, gestümmelte, am oberen Ende rot lodernde Äste (Brände, Schürstäbe). Das Wappen ist redend, weil es zwei Holzstäbe zeigt, mit denen man das Feuer schürt, und die am Ende selber bereits Feuer gefangen haben. Johann Georg Schürstab und dessen Nachkommen wurden am 19.12.1698 von Kaiser Leopold I "in den standt des Adels und der Nürnberger Patritiorum also und derrgestalten gesetztet, dass sie nebst solchen den hergebrachten Namen und das adeliche Wappen der Schürstaben wie folgt.... continuiren....", und dabei wird das Wappen als "zwey creuzweis ubereinander mit brennenden feuer schwarz gemalte Schurstaben" blasoniert. Auf dem Helm mit silbern-roten Decken ein wachsender silbern gekleideter Mohrenrumpf, auf dem Kopf eine rote, silbern verbrämte Inful mit nach hinten abfliegenden silbernen Vittae. In der Literatur wird die Inful auch als silbern und goldverbrämt beschrieben. Die Schürstab (Schürstab von Oberndorf) sind ein altes ratsfähiges Nürnberger Geschlecht.

Abb. links: Glasfenster in der Kirche St. Lorenz zu Nürnberg. Redendes Wappen der Familie Pirckheimer, in einem von Gold und Rot geteilten Schild eine ausgerissene silberne Birke (!). Auf dem Helm mit rot-goldenen Decken ein wachsender, rot mit goldenem Kragen gekleideter Mannesrumpf mit goldenen Haaren und drei um den Kopf geflochtenen Birken(!)blättern über der Stirn (Siebmacher Band: BayA1 Seite: 53 Tafel: 51, Band: BayA3 Seite: 12 Tafel: 7). Im vorliegenden Fall kann das Wappen über den Beischild konkret dem humanistischen Universalgelehrten Willibald Pirckheimer zugeordnet werden.

Abb. rechts: Ausschnitt aus einem Wappenmedaillon in einem Glasfenster in der Kirche St. Lorenz zu Nürnberg. Redendes Wappen der Familie Rothengatter oder Rottengatter, in Silber ein rotes Schräggitter - direkter Bezug des roten Gitters zum Namen. Im vorliegenden fall paßt der Schild zu der Nürnberger Kaufmannstochter Maria Magdalena Rothengatter (gest. 1646).

Literatur, Links und Quellen:
Veröffentlichung der Innenaufnahmen aus der Frauenkirche mit freundlicher Erlaubnis von Herrn Pfarrer Roland Huth vom 9.7.2010, wofür ihm an dieser Stelle herzlich gedankt sei.
Frauenkirche Nürnberg:
http://www.frauenkirche-nuernberg.de/
Veröffentlichung der Innenaufnahmen aus St. Sebald mit freundlicher Erlaubnis von Herrn Pfarrer Dr. Axel Töllner und Herrn Pfarrer Gerhard Schorr vom 12.7.2010, wofür ihnen an dieser Stelle ganz herzlich gedankt sei.
St. Sebald: http://www.sebalduskirche.de/
Veröffentlichung der Innenaufnahmen aus St. Martha mit freundlicher Erlaubnis von Herrn Pfarrer Georg Rieger vom 9.7.2010, wofür ihm an dieser Stelle ganz herzlich gedankt sei.
St. Martha, Nürnberg: http://stmartha.de, http://stmartha.de/index.php5
Veröffentlichung der Bilder aus dem Innenraum von St. Lorenz in Nürnberg mit freundlicher Erlaubnis von Herrn Marco Popp, Lorenzer Archiv, wofür ihm an dieser Stelle ganz herzlich gedankt sei.
St. Lorenz, Nürnberg:
http://www.lorenzkirche.citykirche-magazin.de/
Siebmachers Wappenbücher, insbesondere der Band Bayern
Eugen Schöler, Historische Familienwappen in Franken, Verlag Degener / Bauer Raspe, Neustadt an der Aisch, 3. Aufl. 1999, Nachdruck 2002, ISBN 3-87947-112-6

Peter Fleischmann, Rat und Patriziat in Nürnberg, Band 2. Nürnberger Forschungen, Einzelarbeiten zur Nürnberger Geschichte, herausgegeben vom Verein für Geschichte der Stadt Nürnberg, Band 31/2

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