Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 2310
Ebrach (Landkreis Bamberg, Oberfranken)

Das ehemalige Zisterzienserkloster Ebrach (Teil 2)

Das Kloster Ebrach wurde in typisch zisterziensischer Lage gegründet: Man wählte ein bewaldetes Tal fernab der großen Städte und weit entfernt von menschlicher Umtriebigkeit und auch von wichtigen Handelsrouten, um die Kontemplation der Fratres zu gewährleisten. Idealerweise wurde das Tal von einem nutzbaren Bach durchflossen, und die landwirtschaftlichen Gegebenheiten sollten gut für das Selbstversorgungsprinzip des Klosters sein. Gerade die herausragenden landwirtschaftlichen Fähigkeiten des Ordens waren nicht nur ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, sondern spielten auch bei der Kolonisation und Urbarmachung abgelegener Gegenden eine Rolle. Möglichst sollte man auf keine vorhandene Bebauung Rücksicht nehmen müssen, um den Idealplan des Klosters verwirklichen zu können. Deshalb war das waldige Tal der mittleren Ebrach und die Stelle im abgelegenen Steigerwald zwischen Würzburg und Bamberg ideal für die Gründung, als hier ein staufischer Edelfreier oder Ministeriale namens Berno Land zu diesem Zweck stiftete und selbst als Laienbruder in das Kloster eintrat. Im Jahr 1127 fand die Stiftung statt, und die Besiedlung fand mit 12 Mönchen (traditionelle Anzahl bei einer Gründung) aus Morimond unter dem ersten Abt namens Adam, einem Vertrauten des Gründungsabtes von Clairvaux, des hl. Bernhard (1090-1153), statt.

Damit ist Ebrach eines der ältesten Zisterzienserklöster in Deutschland, genau genommen das zweitälteste, denn nur Kloster Kamp auf dem Gebiet der heutigen Stadt Kamp-Lintfort wurde noch früher gegründet, nämlich 1123. Ebrach hat also den Rekord um nur vier Jahre verpaßt. Es kann aber die Gründung noch zu Lebzeiten des berühmten Bernhard von Clairvaux für sich in Anspruch nehmen, welcher das Schwesterkloster 1135 besuchte. Wenn man nicht die Grenzen des heutigen Deutschlands, sondern die alten Reichsgrenzen zugrunde legt, ist Ebrach das drittälteste Zisterzienserkloster, denn das Kloster Lützel (Abbaye de Lucelle) im Elsaß wurde 1123 oder 1124 gestiftet. Auf jeden Fall aber ist Ebrach die erste rechtsrheinische Zisterzienserniederlassung und das älteste und bedeutendste Kloster des Ordens in Franken.

Zunächst entstand eine romanische Klosterkirche, die aber später einem frühgotischen Neubau weichen mußte. Im Jahr 1200 begann man mit dem Neubau der Michaelskapelle und der zweiten Stiftskirche. Erstere konnte 1207 geweiht werden, bei letzterer zog sich der Bau aufgrund der Dimensionen natürlich länger hin: Die nördlichen Querhauskapellen wurden 1211, die Chorkapellen 1221 (gerade geschlossener Chor mit Umgang und Kapellenkranz nach dem Vorbild Cîteaux) und die südlichen Querhauskapellen 1239 geweiht. Erst danach wurde das neue Langhaus an die Stelle der romanischen Vorläuferkirche gebaut. Im Jahr 1285 war die dreischiffige Gewölbebasilika fertig, die vom Würzburger Fürstbischof Berthold II. von Sternberg (reg. 1274-1287) am 9.9.1286 geweiht wurde. Von der gotischen Klosteranlage ist allein die Klosterkirche mit Anbauten noch erhalten. Im Bild unten ist die Fensterrosette des Westgiebels zu sehen.

Das 16. und 17. Jh. brachte Krieg und Zerstörung über die Abtei: Im Städtekrieg wurde der Konvent für drei Jahre in andere Klöster evakuiert. Im Bauernkrieg lagerte man den Klosterschatz nach Schweinfurt in den dortigen Klosterhof aus. Im Bauernkrieg wurde die geplünderte und gebrandschatzte Klosterkirche 1525 ihrer Ausstattung beraubt, die unter Abt Hieronymus Hölein (1591-1615) im Stil der Renaissance erneuert wurde. Der Markgräflerkrieg folgte, und Würzburg forderte Kontributionen. Die Auseinandersetzung zwischen Ebrach und Würzburg erreichte wegen finanziellen Ausblutens der Abtei in dieser Zeit ihren Höhepunkt. Deshalb dauerte es auch Jahrzehnte, bis das Kloster nach den Kriegsschäden wiederhergestellt war, obwohl die Bausubstanz selbst eigentlich erhalten geblieben war.

Im Dreißigjährigen Krieg wurde Ebrach 1631-1634 von schwedischen Truppen besetzt und geplündert, aber nicht zerstört. Zuvor hatten sich die meisten Mönche in andere Klöster abseits der Marschroute der Truppen geflüchtet, außerdem standen Stadthöfe in Würzburg, Bamberg, Nürnberg und Schweinfurt zur Verfügung. Nach Würzburg beispielsweise hatte man den als Weinlieferung getarnten Kirchenschatz geschafft und anschließend auf dem hauseigenen Anwesen vergraben; aber sicher genug war das nicht, denn dort wurde er von den Schweden gefunden und eingesackt. Fast alles ist verlorengegangen. Der 1625 angefertigte silberne Abtsstab von Johannes Dressel, welcher nach Köln emigriert war, ist das einzige erhaltene Stück, heute im Statens Historiska Museum Stockholm zu sehen (in der Ebracher Klosterkirche ist eine Kopie aus dem Jahr 1982 ausgestellt). Der angerichtete Schaden war immens, und die an die Kriegsparteien zu leistenden Kontributionen ruinierten die Klosterfinanzen auf lange Zeit. Diese Ereignisse führten auch zu einer personellen Ausdünnung: Während man zu hochmittelalterlichen Blütezeiten 102 Mönche und 72 Laienbrüder zählte, war der Bestand zu Kriegsende auf acht Mönche (Konventualen) geschrumpft.

Die wirtschaftliche Basis für die barocke Erneuerung des Klosters wurde von den beiden Äbten Petrus Scherenberger (1646-1658) und Albert Degen (1658-1686) gelegt. Unter diesen Äbten wurden die Kriegsschäden beseitigt, die Schulden abgetragen und etliche Zukäufe getätigt, ferner verbesserte sich wieder der Personalbestand und erreichte fast wieder Vorkriegsniveau. Kluge Wirtschaftsführung schuf den Grundstock für die nachfolgende bauliche Erneuerung der Anlage, die in zwei Phasen stattfand. In dieser Zeit entstand eine der großartigsten barocken Klosteranlagen Frankens, die baugeschichtlich spannend ist, weil während des Baus ein Konzeptwechsel stattfand, was die Architektur vor eine große Herausforderung stellte, um die Inhomogenität so gut zu inszenieren, daß die Mischung überzeugt.

Abt Ludovicus Ludwig (1686-1696) berief nach seinem Amtsantritt Johann Leonhard Dientzenhofer (1660-1707), der zuvor in Waldsassen tätig war, als Architekt für die geplanten Großbauten. Sein Stil entspricht der Tradition österreichisch-böhmischen Barocks. 1687 wurden erste Pläne vorgelegt. Am 7.7.1688 wurde der Grundstein zu einem der größten barocken Bauprojekte der Region gelegt. Dieser Baumeister plante eine durchgehend zweistöckige Rechteckanlage von 186 m Länge und 93 m Breite mit fünf geschlossenen Höfen und einem Bibliotheksflügel an der Außenecke des sechsten, offenen Hofes im Südosten, welcher die Gesamtlänge des Bauwerks auf 218 m erhöhte. Eine wichtige Maßnahme war die Kanalisation des nun unterirdisch verlaufenden Flusses Ebrach. Man baute nur einen Teil der geplanten Anlage, die östliche Hälfte des Abteiflügels und noch den Kanzleitrakt unter Abt Candidus Pfister (1696-1702). Danach ruhte die Bautätigkeit.

Die zweite Bauphase ist untrennbar mit Abt Wilhelm Sölner (1714-1741) verknüpft, der im Frühjahr 1715 die Bautätigkeit wieder aufnahm und zur treibenden Kraft hinter der Vollendung des Mammutprojektes wurde. Er engagierte als Architekt Joseph Greissing (1664-1721), der für den rheinisch-fränkischen Barock steht und auf der Basis des Bestehenden weiterbaute, aber Wesentliches veränderte: Die beiden geplanten westlichen Abteihöfe wurden zusammengefaßt und bildeten einen nach Westen offenen Ehrenhof, weil die dort vorgehenden Flügel gestrichen wurden, um einem zweiten repräsentativen Gesicht der Abtei Platz machen. Einzelne Abschnitte der Anlage wurden nun dreistöckig, um durch die Höhenstaffelung Dynamik in das Bauwerk hineinzubringen. Der Nordflügel bekam im Mittelteil ein großartiges Treppenhaus, der den Ehrenhof abschließende, ebenfalls dreistöckige Trakt den großen Saal. Der Ehrenhof sollte mit Pavillons abgeschlossen werden. Vermutlich hatte das zuvor vollendete fürstbischöfliche Schloß Weißenstein in Pommersfelden Vorbildfunktion: Aus bisheriger konzeptioneller Klosterarchitektur wird nun Schloßarchitektur. Besonders deutlich wird das in dem neugeschaffenen Treppenhausbau, der konzeptionell an die zeitgenössische Schloßarchitektur anknüpft. Die Nähe zwischen Ebrach und Pommersfelden wird auch daran ersichtlich, daß bestimmte Künstler hier wie dort tätig waren. Nun wurde die Abtei zügig weitergebaut: Treppenhausbau und Saalbau waren 1717 fertig 1718 eingedeckt. Im Jahr 1717 begann man auch mit dem Nordflügel des Ehrenhofes, der 1719 im Rohbau fertig und 1720 eingedeckt war. Das Treppenhausgewölbe entstand 1719. Der Saal war 1723 fertig ausgestattet. Dann gab es eine erneute Baupause, während der sich der Abt um den Neubau der Amtshöfe in Sulzheim und Burgwindheim kümmerte. Erst 1730-1734 wurde der bislang noch fehlende Südflügel des Ehrenhofes erbaut und schloß das Mammutprojet nach 46 Jahren Bauzeit ab.

Am Entstehen der barocken Abteigebäude wirkten etliche namhafte Künstler der Zeit mit: Als Architekten und Baumeister waren 1687-1698 Johann Leonhard Dientzenhofer (1660-1707) aus St. Margarethen, 1716 Balthasar Neumann (1687-1753) aus Eger und 1715 -1720 Joseph Greissing (1664-1721) aus Hohenweiler tätig. Unter den für Ebrach tätigen Stukkateuren und Bildhauern waren 1692-1694 der Tessiner Giulio Francesco Brenni (1667-1694) und 1696-1697 Giovanni Battista II Brenni (1649-1712), beide aus Salorino, 1717-1718 Balthasar Esterbauer (1672-1728), 1744-1747 Jacob von der Auwera (1672-1760) und Johann Wolfgang von der Auwera (1708-1756) an der Anlage aktiv, weiterhin 1778-1787 Materno Bossi (1739-1802) aus Porto Ceresio und 1782-1785 Johann Peter Alexander Wagner (1730-1809) aus Obertheres. Auch die Stukkateure Daniel Schenk (Schenck) aus Bayreuth und der Schlesier Georg Hennicke (-1739) arbeiteten 1718 resp. 1718-1723 in Ebrach. An der Innenausmalung arbeiteten 1720-1723 der Hofmaler Johann Adam Remele (oder Remela) und 1722 der Hofmaler Anton Clemens Lünenschloß (-1763) aus Düsseldorf.  

Insgesamt ist im Barock wenig von den zisterziensischen Bauprinzipien der Frühzeit hängengeblieben: War die frühe Architektur noch von Askese und herb-monumentaler Kargheit geprägt, so hat sich mit dem zum Herrschaftlichen gewandelten monastischen Selbstverständnis auch die Kunstauffassung dem Zeitgeschmack angepaßt und folgt genau wie die zeitgleiche Schloßarchitektur dem im 17. und 18. Jh. gängigen Bedürfnis nach Prachtentfaltung als Zurschaustellung eines Herrschaftsanspruchs.

Die Nordfassade des Abteiflügels besteht aus drei Abschnitten: Seitlich befinden sich zwei zweistöckige Abschnitte von symmetrischer Konstruktion, die beide eine Durchfahrt in einen Hof enthalten: Die östliche Durchfahrt führt in den Abteihof; die westliche Durchfahrt führt in den Ehrenhof. Diese beiden Seitenabschnitte entsprechen der ursprünglichen Konzeption von Johann Leonhard Dientzenhofer. Genau genommen wurde nur der östliche Abschnitt noch unter Dientzenhofer errichtet; der westliche Abschnitt wurde erst ca. drei Jahrzehnte später erbaut, aber aus Symmetriegründen gleich gestaltet, obwohl die Ausführung schon in die zweite Bauphase fällt. Es war ein Kompromiß, um zwischen altem und neuem Konzept zu vermitteln. So diktierte der zweistöckige Abschnitt im Osten der Nordfassade die Zweistöckigkeit des westlichen Teils, und da dieser zugleich ein Ehrenhofflügel ist, auch die Zweistöckigkeit des Gästetraktes an der Südseite des Ehrenhofes.

In der Mitte erhebt sich ein dreistöckiger Mittelbau, der wiederum in drei Teile zu je drei Achsen gegliedert ist, wobei die äußeren Achsen den Rhythmus der Seitenteile aufgreifen, die drei mittleren Achsen aber wegen der umfangreichen Fassadengliederung weiter auseinander liegen. Dieser dreiachsige Mittelbau, hinter dem das dreigeschossige Treppenhaus liegt, bildet den monumentalen Hauptakzent der ganzen langen Nordfassade. Das Erdgeschoß ist durch Fugen gebändert; darüber erhebt sich eine Kolossalordnung, außen als flache Pilaster, innen als Säulenpaare ausgebildet. Das auf diesen insgesamt sechs Kolossalwandvorlagen ruhende, erhöhte Gebälk trägt einen steilen, verkröpften Dreiecksgiebel über der Mittelachse.

Das Portal im Erdgeschoß ist noch einmal durch einen auf Doppelsäulen ruhenden, verkröpften Segmentbogengiebel betont. Auch das darüber liegende Fenster des ersten Obergeschosses besitzt ein komplexes Rahmenwerk. Die beiden seitlichen Abschnitte des Mittelbaus bilden einen Übergang zu den Seitenteilen, indem deren aus der ersten Bauphase stammende Gliederung quasi in die dreistöckige Zone hineinwächst. Die beiden unteren Stockwerke werden durch eine Kolossalordnung zusammengefaßt, und einem mächtigen Zwischengesims in Höhe der angrenzenden Dachkante ist das dritte Stockwerk aufgesetzt. Über dem Segmentbogengiebel, in dem ein nicht mehr erkennbarer Wappenschild sitzt, sind zwei allegorische Figuren angebracht. Ganz oben an der Fassade sind auf dem Gebälk und auf dem Dreiecksgiebel insgesamt fünf sehr große Statuen aufgestellt, die in der Mitte Ecclesia, auf halber Höhe auf den Giebelschrägen Herzog Friedrich von Schwaben und König Konrad III. und auf den äußeren Ecken Berno und Richwin darstellen, die Stifterbrüder. In ihrer Gesamtheit bilden die Figuren ein politisches Manifest, welches bewußt die Ecclesia an die höchste Stelle über Herzog und König stellt; auch dies ist vor dem Hintergrund der ewigen Diskussion um die Reichsunmittelbarkeit als nachdrückliche, steingewordene Forderung zu verstehen.

Im Dreiecksgiebel ist ein Ebracher Klosterwappen zu sehen, eine 1717 geschaffene Arbeit von Balthasar Esterbauer: Die Kartusche ist schräggeviert mit einem Herz- und einem Nabelschild, Feld 1: in Gold ein schwarzer Doppeladler (Reichsadler), Feld 2: in Gold einwärts drei schreitende Löwen übereinander (Staufer), Feld 3: in Gold ein schwarzer Greif, Feld 4: ein rot-silbern in zwei Reihen geschachter Schräglinksbalken (Zisterzienserorden), Herzschild: in rotem oder grünem Feld ein schwarzer Eber, rückwärtsgewendet, im Maul einen Krummstab (Abtsstab) haltend (Kloster Eberbach), Nabelschild: eine Lilie mir nicht bekannter Tinktur und Bedeutung. Die Kartusche wird von einem geflügelten Engelskopf mit Inful überhöht; hinter der Kartusche sind zwei Krummstäbe schräggekreuzt. Zwei geflügelte, in die üppige Ornamentik greifende Putten dienen zu beiden Seiten als Wappenhalter. Dieses Wappen aus der Zeit von Abt Wilhelm I. Sölner ist selbst frei von persönlichen heraldischen Komponenten. Die Persönlichkeit des Abtes taucht ganz versteckt auf: Seitlich neben den Putten wachsen aus den sich rollenden Schmuckformen seitlich je zwei Sonnenblumen heraus, das persönliche Zeichen besagten Abtes, das er auch in seinem persönlichen Wappenbild verwendet (s. u.). Weitere Sonnenblumen sind auf den Konsolen rechts und links der ovalen Kartusche in den Blumenarrangements untergebracht. Auch in der Gestaltung des Ehrenhofs finden wir dieses Motiv wieder: Die Kapitelle und Fensterumrahmungen sind mit Abtsstäben, Sonnenblumen und dem Auge der Dreifaltigkeit verziert, wobei letzteres ebenfalls ein Symbol Sölners ist.

Abb.: Fundort des beschriebenen Wappens

Ein rund drei Jahrzehnte älteres Klosterwappen (Abb. unten) ist am linken (östlichen) Seitentrakt der Nordfassade zu sehen, genauer rechts vom im vorangegangenen Kapitel beschriebenen Schmuckerker über der in den Abteihof führenden Durchfahrt in dem noch unter Johann Leonhard Dientzenhofer erbauten Abschnitt der Nordfassade.

Über dem verkröpften äußeren Bogen befindet sich das Klosterwappen, welches von zwei geflügelten Putten gehalten wird, von denen der heraldisch rechte in der erhobenen Rechten einen Lorbeerkranz hält, der linke aber einen Palmzweig. Der Zwischenraum zwischen dem Bogen und der tatsächlichen Durchfahrtsöffnung wird mit zwei Füllhörnern ausgefüllt, welche sich beiderseits einer auf dem Schlußstein angebrachten Löwenmaske nach unten zu beiden Seiten entleeren.

Dieses Ebracher Klosterwappen weist eine sehr eigenwillige Felderaufteilung auf: Zwei nach oben verschobene Bogenflanken werden mit einer nach unten ausgebogenen Linie verbunden, und das vierte, untere Feld ist noch einmal gespalten. So entstehen insgesamt fünf Felder, Feld 1 (oben): in Gold ein schwarzer Doppeladler (Reichsadler), Feld 2 (rechts): in Gold einwärts drei schreitende Löwen übereinander (Staufer), Feld 3 (links): in Gold ein schwarzer Greif, Feld 4 (unten rechts): in Schwarz ein rot-silbern in zwei Reihen geschachter Schrägbalken (Zisterzienserorden), Feld 5 (unten links): in rotem oder grünem Feld ein schwarzer Eber, rückwärtsgewendet, im Maul einen Krummstab (Abtsstab) haltend (Kloster Eberbach). Die Kartusche wird hier nicht von einer Inful, sondern von einer Bügelkrone überhöht; hinter der Kartusche sind zwei Krummstäbe schräggekreuzt. Das Klosterwappen selbst ist mannigfachen Variationen unterworfen, und persönliche Felder der Äbte sind nicht immer zu erwarten. Die Kombination von Inhalten unterliegt einer relativ großen Willkür der jeweiligen Äbte. Das persönliche Symbol des Bauabtes, die Sonnenblume, ist unten rechts und links neben der Kartusche zu sehen.

Abb.: Fundort des beschriebenen Wappens

Der 1734-1739 errichtete Viehhof bestand einst aus vier Baueinheiten, zwei parallele Flügel in Nord-Südrichtung und dazwischen zwei schmalere Flügel, die aber nicht mehr vorhanden sind. Die zweistöckige Fassade zum Platz ist sehr repräsentativ, und man kaschierte sorgfältig den wahren Charakter des Gebäudes, indem man zur Platzseite hin Fenster wie für Wohnräume einbaute, hinter denen aber tatsächlich die pfeilergestützten Stallgewölbe lagen. Auch im Obergeschoß waren keineswegs repräsentative Wohnungen, sondern hier lagerte man Futter. Der Flügel trägt ein Satteldach mit einer Reihe Dachgauben. Der risalitartige Eckbau besitzt ein zweimal abgesetztes Mansarddach. Dort ist heute ein Café eingerichtet. In dem ehemaligen Viehhof wurde ab 1803 der Gasthof "zum Adler" eingerichtet. Heute befindet sich darin das Hotel-Restaurant Klosterbräu, das seit 1955 im Besitz der Familie Gries ist. Rechts im Bild ist ein klassizistischer Brunnenstock zu sehen, der aus dem späten 18. Jh. stammt und einst den Vorstadtbrunnen zierte, der bis auf diesen Rest verschwunden ist.

In der Mitte des platzseitigen Viehhofflügels ist die Durchfahrt zum Innenhof. Zwischen zwei kräftigen Pilastern ist die Fläche um den runden Torbogen mit Linienrustika versehen. Über dem die beiden Stockwerke trennenden Gesims ist eine Zierbalustrade angebracht, die bis zum Zwillingsfenster reicht. Über letzteren ist das Wappen von Abt Wilhelm I. Sölner (Selner) zu sehen. Er war Ebrachs 46. Abt und stammte aus Gerolzhofen. Er wurde am 30.12.1671 geboren und besuchte die Würzburger Zisterzienserschule, die er mit der Matura abschloß. Danach ging er zum Theologiestudium an das Jesuitenkolleg in Ingolstadt. Er trat 1691 ins Kloster Ebrach ein, ging aber dann für einige Zeit ins Kloster Waldsassen. Seine Studien setzte er an der Universität Prag fort, wo er promoviert wurde und anschließend Kirchenrecht unterrichtete. Wilhelm Sölner kehrte nach Ebrach zurück, wo er zunächst Kanzleidirektor wurde. Nachdem sein Vorgänger aus Gesundheitsgründen resigniert hatte, amtierte Wilhelm Sölner als Abt von seiner Wahl am 30.4.1714 bis zu seinem Tod am 24.4.1741. Die Benediktion fand am 2.6.1715 durch den Würzburger Fürstbischof Johann Philipp von Greiffenklau statt.

Sölner vereinigte Baubegeisterung, Herrschaftsbewußtsein und Kunstsinn und vereinigte diese Eigenschaften zu einer programmatischen Baukunst, die der eines "vom Bauwurmb befallenen" Schönborn in nichts nachsteht: In seiner Regierungszeit gab Abt Sölner 300000 fl. für Neubauten aus. Vielleicht war sogar Fürstbischof Lothar Franz von Schönborn, welcher 1720 den Neubau in Ebrach besichtigte, sein heimliches Vorbild.

Das persönliches Wappen von Abt Wilhelm I. Sölner (Selner) ist ein redendes, wenn man den Namen als von Sol = Sonne abgeleitet ansieht: Es zeigt oben rechts eine Sonne mit Strahlen, belegt mit einem Dreieck, darunter links eine Blume mit einer Blüte und zwei Blättern (Sonnenblume). Die Tinkturen sind unbekannt. Auf der Kartusche ruht die Inful, und hinter dem Wappen sind zwei Krummstäbe schräggekreuzt.

Dieser Abt war wie viele seiner Amtskollegen ein Akteur im ewig schwelenden Streit mit Würzburg um die Oberherrschaft. Ebrach selbst sah sich als reichsunmittelbar an, was aber von den anderen Akteuren nicht so gesehen wurde. Das Hochstift Würzburg verfolgte als Interesse die Oberherrschaft über die gut mit Grundbesitz ausgestattete Abtei. Dieser Abt wählte als Waffe die Feder: Er schrieb 1738 ein Werk mit dem Titel "Brevis notitia monasterii B. V. M. Ebracensis Sacri Ordinis Cisterciensis in Franconia: Ex probatis Authoribus, tum impressis, tum scriptis, ex originalibus Diplomatibus, ex antiquis Documentis et Scripturis desumpta, et in hunc ordinem redacta. A quodam ejusdem Loci et Ordinis Religioso." Letztlich war es eine Zusammenfassung aller sich aus Rechte und Privilegien abgeleiteten Gründe, endlich einzusehen, warum Ebrach reichsunmittelbar sein solle. Friedrich Karl von Schönborn, seinerzeit Fürstbischof von Würzburg, fühlte sich ins Mark getroffen von diesem - in seinen Augen - "Schandwerk" und schrieb 1739 eine Gegendarstellung. Sölners Tod verhinderte die Fertigstellung seiner Gegengegendarstellung.

Übrigens ist in der "Brevis Notitia" ein Stich von Balthasar Gutwein nach einer Zeichnung von Lucas Schmidt, der eine Ansicht des Klosters von Norden zeigt, dazu in der rechten oberen Ecke das vollständige Wappen des Abtes. Es ist - grob und unter Vernachlässigung der phantasievoll ein- und ausgebogenen Feldergrenzen - geteilt und zweimal gespalten mit insgesamt sechs Feldern: Feld 1: die staufischen Löwen, Feld 2: der Reichsadler, Feld 3: der Greif, Feld 4: der Zisterzienserbalken, Feld 5: Sonne und Sonnenblume, Feld 6: Eber mit Krummstab. Eine andere Variante des Sölnerschen Wappens ist auf dem Titelblatt der Festschrift zur Inauguration des Abtes am 2.6.1715 abgebildet: Der Hauptschild hat oben drei, unten zwei Felder, und das Motiv mit der Sonne und der Sonnenblume wird von der unteren mittleren Position auf einen mittig aufgelegten Herzschild verschoben. Unter diesem Wappen sind auf besagtem Stich die Wappen aller Filialklöster, jeweils durch zwei Sonnenblumen voneinander getrennt.

Noch ein Wort zum doppelköpfigen Adler in den Ebracher Klosterwappen: Eine sehr alte Form des Klosterwappens zeigt den Fränkischen Rechen zusammen mit dem Königsadler und anderen Motiven. Erst später tauchte der doppelköpfige Adler des Heiligen Römischen Reiches auf - das war ein Anspruch, und dieses Motiv wurde mit zunehmendem Streben nach Reichsunmittelbarkeit ein wichtiger Bestandteil des Klosterwappens. Wohlgemerkt - die Abtei war nicht das, was normalerweise hinter dem Symbol steht, und deshalb verkörpert der Doppeladler eigentlich nur ein Anspruch, nicht eine Tatsache. Der Greif hingegen wird als Wappensymbol für den Gründer Berno angesehen, eine nachträgliche Zuschreibung.

Sölner wurde auch im Ausstattungsprogramm politisch deutlich - weiter oben wurde bereits die programmatische Anordnung der fünf Figuren auf dem Giebel des Treppenhausbaus erwähnt. Ganz analog folgten diesem sakral legitimierten, nur dem Kaiser unterstehenden Herrschaftsverständnis des Abtes die ausgeführten Ausstattungsprogramme von Treppenhaus und Festsaal. Als Fürstbischof Friedrich Karl von Schönborn zu Besuch nach Ebrach kam, war er "not amused" über das Bildprogramm und nahm Anstoß, so daß das Bildprogramm nach Sölners Tod geändert wurde.

Im Südosten ist an den Viehhof ein weiterer, ganz gleich gestalteter Flügel angebaut, der sog. Offiziantenbau. Dort wohnten - außerhalb der Klostermauern - die Verwaltungsbeamten der Abtei. Wie die Viehhoffassade ist der Trakt zweistöckig, wird durch ein einziges Horizontalgesims geziert und hat genauso rechts und links des Schmuckportals je drei Fensterachsen. Die Formen des Portals sind identisch mit denen am Viehhof. Heute sind in dem Gebäude eine Metzgerei und das Forstamt untergebracht.

Ebenso sieht man am Offiziantenbau das Wappen des Abts Wilhelm I. Sölner (Selner) wie oben beschrieben. Es ist gleich aufgebaut, aber schlechter erhalten. Der Abt war ein großer Bauherr, deshalb begegnet uns sein Wappen noch an anderen Stellen, so am Südportal des Ebracher Klosterhauptbaus und am 1722-1728 errichteten Amtsschloß Sulzheim. In Ebrach ließ er der Klosterkirche einen barocken Dachreiter aufsetzen. Neben der Vorstadt ließ er auch 1720-1724 das Krankenhaus (Obergeschoß) mit der Mönchssepultur (Erdgeschoß) an der Südostecke der Kirche erbauen. Ganz neu ließ er das Schloß in Burgwindheim errichten. Auch der Sommersitz der Äbte in Oberschwappach (Schloß, 1733-1738) und die dortige Pfarrkirche (1721) entstanden unter diesem Abt. Weitere Pfarrkirchen ließ er in den Orten Weyer, Herlheim und Mönchstockheim erbauen. Unter seiner Herrschaft wurden ferner die Amtshöfe in Elgersheim, wo sein Wappen an einem Türsturz zu sehen ist, und in Waldschwind erneuert. Im Zusammenhang mit dem Streben nach Anerkennung als reichsunmittelbare Abtei ist auch die "Bauwut" dieses Abtes zu sehen Sowohl sein "Neuer Bau" der Abtei als auch die neuen Amtschlösser sind eine gebaute Demonstration der wirtschaftlichen Potenz und des Selbständigkeitsstrebens des Klosters unter seiner Leitung.

Abb.: Fundort der beschriebenen Wappen

Der Klostervorplatz wird im Norden von einer Terrasse abgeschlossen. Eine oben von einer Balustrade gesäumte Stützmauer wird zur Straße hin von wuchtigen Strebepfeilern abgestützt, zwischen denen ein Rundbogenportal in den großen Weinkeller führt. Über dem Keller liegt ein barocker Lustgarten (oberer Abtsgarten), der durch eine doppelläufige Freitreppe erschlossen wird und im Norden mit der Orangerie abschließt. Baubeginn des Kellers war 1753/54. Seit 2003 wird der Keller in Erinnerung an den betreffenden Abt "Abt-Degen-Keller" genannt, obwohl dieser Abt nichts mit dem Keller zu tun hat und 68 Jahre vor Baubeginn das Zeitliche gesegnet hatte. Der erste Entwurf stammt von Balthasar Neumann, und aus dieser ersten Bauphase stammt auch der Wappenstein über dem Kellereingang. Später folgte 1773-1780 die zweite Bauphase, während der der Garten ausgebaut und der Keller erweitert wurde. Der am Hang liegende Terrassengarten besteht aus mehreren Ebenen. Auf der großflächigsten, zentralen Ebene steht an der Kreuzung der vier Hauptwege ein Brunnen, der einst eine Fontäne mit Pegasus-Statue besaß, die Ferdinand Tietz zugeschrieben wird. Als letztes Gebäude entstand 1780 die Orangerie, die heute zu einem Mehrfamilienwohnhaus umgebaut ist.

Das Wappen über dem Kellerportal ist das des Abtes Hieronymus II. Held, der als 47. Abt die Geschicke der Abtei lenkte und als Bauherr die Abtei vollendete. Er wurde am 2.2.1694 geboren und stammte aus Gerolzhofen; sein Geburtsname war Johann Franz Balthasar Held. Als Abt amtierte er von seiner Wahl am 16.5.1741 bis zu seinem Tod am 20.10.1773. Im Jahre 1743 wurde Hieronymus Held vom Generalabt des Zisterzienserordens, Andoche Pernot des Crots, zum Generalvikar für Franken ernannt. Er vollendete die Abteigärten und die Ökonomiegebäude und ergänzte so den äußeren Rahmen der unter seinem Vorgänger geschaffenen Neubauten.

Das Wappen besteht aus drei zu einer Gesamtkomposition vereinigten Feldern: Im ersten Feld ist der Zisterzienserbalken zu sehen, in schwarzem Feld ein rot-silbern in zwei Reihen geschachter Schrägbalken, hier schräglinks. Im zweiten Feld ist ein Löwe zu sehen, nach der Schraffur in blauem Feld. Das persönliche Wappen des Abtes, welches leider im unteren Bereich verwittert ist, ist ein redendes, denn es zeigt einen "Helden", einen gerüsteten Mann, in der Rechten ein erhobenes Schwert haltend, hier mit einem Bügelgriff versehen, in der Linken einen Schild mit einem Kreuz haltend. Das Wappen gibt es in mehreren unterschiedlichen Versionen, einige besitzen noch eine fliegende Taube über dem Helden. Auch die Tinkturen können nicht verläßlich bestimmt werden.

Das nächste Wappen des Abtes Hieronymus II. Held ist im unteren Abtsgarten zu finden. Dieser setzt sich aus mehreren Abschnitten auf unterschiedlichen Niveaus zusammen: Bereits der Ehrenhof der ehemaligen Abtei (Abb. oben) ist als Garten mit dem zentralen Nereidenbrunnen gestaltet. Heute ist der Übergang in den westlich angrenzenden Bereich, der erhöht und mit einer Mauer abgetrennt ist, von einer Straße, die in den südlichen JVA-Bereich führt, durchschnitten. Statt der ursprünglichen Treppen, einer größeren halbkreisförmigen Treppenanlage in der Mittelachse und zwei kleinere seitliche Treppenaufgänge, führt der heutige Eingang im Norden neben dem Offiziantenbau in den erhöhten, jenseits der alten Klostermauer liegenden Garten, der sich zweimal durch eingezogene Seitenmauern verjüngt und im Westen in einem Halbkreis endet. Durch diesen Verlauf der Gartenmauer und durch seine Dimensionen bildet der Garten das Spiegelbild zum Ehrenhof, und die beiden Mauerrücksprünge finden ihre Entsprechung in den Seitenflügeln beiderseits des Ehrenhofs.

Im vorderen, breitesten Abschnitt befindet sich in einem Stern von acht Zuwegen der Herkulesbrunnen (Abb. rechts unten) mit der monumentalen Figurengruppe, die den Sieg des Herkules über den erdverbundenen Halbgott Anthaeus darstellt, unterhalb derer die vier Flußgötter zu sehen sind, die zugleich für die vier Jahreszeiten stehen. Der Brunnen wurde vom Bamberger Hofbildhauer Peter Bankert entworfen und 1745 begonnen. Als der Künstler 1746 vom preußischen König Friedrich II. nach Potsdam berufen wurde, stockten die Arbeiten. Der Abt erteilte dem Würzburger Hofbildhauer Wolfgang von der Auwera den Auftrag, den Brunnen zu vollenden. Die Gestaltung von Herkules und Anthaeus entsprach exakt dem Ursprungsentwurf, doch die untere Zone mit den Flußgöttern ist eine Gestaltung Auweras. Der riesige Stein für die Monumentalgruppe stammt aus dem Abtswinder Steinbruch. Um ihn herbeizuschaffen, mußten gemäß alten Aufzeichnungen 90 Pferde- und Ochsengespanne über mehrere Wochen unter Leitung von Pater Panthaleon angetrieben werden. Im Jahr 1747 war der Brunnen fertiggestellt. Unter dem Garten fließt zwar unterirdisch die Ebrach in einem gemauerten Gewölbe, doch die brachte nicht den notwendigen Druck auf: Gespeist wurden die Brunnenfontänen von zwei Bleirohren, die Trinkwasser aus dem Handthalgrund und den Ebrachwiesen oberhalb des Gartens in den Klosterbezirk leiteten. Die Ebrach hingegen fließt in ihrem Gewölbe unter dem Herkulesbrunnen hindurch und tritt erst wieder an der östlichen Umfassungsmauer aus. In den Jahren 1838 und 1880 stürzte jeweils ein Teil des Gewölbes ein, wurde aber wieder instandgesetzt, nicht zuletzt dank der Bemühungen des damaligen Forstmeisters. Den Abschluß dieses Gartenabschnitts bilden zwei symmetrisch angeordnete Pavillons (Abb. links unten) in den Ecken der Umfassungsmauer, die 1745-1746 entstanden. Der südliche Pavillon war gegen Ende des 19. Jh. so baufällig, daß er einzustürzen drohte. Er wurde abgetragen und völlig neu aufgemauert. Im Westen grenzt eine Streuobstwiese an. Einst stand im Garten noch ein 1748-1750 errichtetes Gewächshaus, welches aber Ende des 18. Jh. wieder abgerissen wurde. In der westlichen Apsis der Gartenmauer sollte noch ein Gartenhaus als Blickzentrum entstehen; die Entwürfe existieren, aber es wurde vermutlich nie ausgeführt.

 

Bei seinem Amtsvorgänger, Abt Wilhelm I. Sölner, war die Rede von dessen 1738 erschienenen Werk "Brevis notitia monasterii B. V. M. Ebracensis...", das Öl ins Feuer des Dauerstreites mit Würzburg um Oberherrschaft und Reichsunmittelbarkeit gegossen hatte. Abt Hieronymus Held nahm in diesem Streit nacheinander zwei ganz verschiedene Rollen ein. Zu Amtszeiten seines Vorgängers reiste er in dessen Mission nach Rom und überzeugte den Hofadvokaten des Papstes, daß dieses Werk anerkannt wurde, ein Punktsieg für seinen Chef. Als Held jedoch selber Abt geworden war, konnte er seinen eigenen Vorstellungen folgen: Er wünschte ein gutes Einvernehmen mit dem Würzburger Fürstbischof und eine Beilegung der durch die beiderseitigen Streitschriften hervorgerufenen politischen Irritationen. Deshalb ließ Hieronymus Held bald nach Amtsantritt die Verbreitung besagter "Brevis notitia" seines Amtsvorgängers verbieten. Umgekehrt war er in der Sache selbst natürlich von der Angemessenheit der Reichsunmittelbarkeit des Klosters überzeugt, und er ließ wie ein Landesherr die Bewohner der Klosterdörfer die Huldigung ausführen und den Treueid schwören - was de iure eigentlich nur dem Fürstbischof von Würzburg zugestanden hätte, so aber wieder ein Punktsieg für den Abt war.

 

Auch das Wappen am Herkules-Brunnen zeigt den redenden "Helden", einen gerüsteten Mann mit Schnauzbart und Hüftschärpe, in der Rechten ein erhobenes Schwert haltend, in der Linken einen ovalen Schild mit einem Tatzenkreuz aufstützend und rechts unten von einem Löwen begleitet. An der Kellermauer waren es noch zwei separate Felder, eines mit dem Helden und eines mit dem Löwen - hier werden beide Inhalte unter Mißachtung heraldischer Regeln zusammengezogen, und aus dem heraldischen Löwen wird ein neben dem Helden in Frontalansicht kauernder Löwe. Amtszeichen muß man hier etwas suchen - der Kopf mit der Inful ist nach rechts verschoben; er ist im linken Bild im Schatten der Volute zu sehen. Das Wappen des Abtes Hieronymus Held ist auch noch an etlichen anderen Stellen zu finden, z. B. im Mönchschorgitter (Lettneraufsatz) der Ebracher Abteikirche (mit einem aus dem Helden und dem Löwen gespaltenen Herzschild), in Sulzheim am ehemaligen Gasthof zum Adler, in Bamberg am Neuen Ebracher Hof, den der Abt erbauen ließ, sowie an der Kanzel in Burgwindheim und im Stuck der dortigen Kirche St. Jakobus, die der Abt ausschmücken ließ. In Ebrach ließ dieser Abt ferner den Wächterturm errichten, der die Südwestecke des Klosterbezirkes schützte. Weiterhin ließ er den Amtshof in Koppenwind neu bauen.

Abb.: Fundort der beschriebenen Wappen

Auf der Nordseite der durch Ebrach führenden Hauptstraße Würzburg-Bamberg und des Vorstadtplatzes steht das ehemalige Wirtshaus des Klosters. Im links angesetzten Eckbau mit Mansarddach befand sich die Wohnung des Forstmeisters; rechts neben dem ehemaligen Klostergasthof (später Gasthof zum Steigerwald) mit Satteldach lagen Familiarenwohnungen (Gesindewohnungen). Die zu diesen drei Einheiten gehörenden Stallungen lagen auf der Rückseite. Die zweistöckige Gebäudeflucht stammt aus dem zweiten oder dritten Jahrzehnt des 18. Jh., wobei der links abschließende Flügel 1793-1798 erneuert wurde. Die gesamte Baugruppe lag einst außerhalb der Klostermauern, die in diesem Bereich komplett verschwunden sind.

Der auf das Jahr 1953 datierte Stein direkt über der Tür trägt das Wappen der Abtei Ebrach mit dem rückwärtsgewendeten schwarzen Eber in rotem (so innerhalb der Klosterkirche, oder grünem, so am Schwabacher Rathaus und in einem alten Stich) Feld, welcher im Maul einen Krummstab (Abtsstab) hält und so die die Gründungslegende symbolisiert, nach der das Kloster dort gegründet worden sei, wohin ein Eber den Krummstab des Abtes geschleppt habe. Der Stein nennt Georg und Elisabeth Hußlein als Besitzer des ehemaligen Kloster-Gasthofes.

Über dem vorgenannten Stein ist eine 1959 entstandene Tafel mit dem Wappen der Familie Hußlein angebracht, in erniedrigt geteiltem Schild ein aufspringender Hirsch, auf dem Helm zwischen einem Flug ein aufrechtes Schwert, vor diesem ein Herz. Das Wappen wird nicht in den Standard-Sammlungen gelistet, Hinweise zu den Tinkturen willkommen.

Abb.: Fundort der beschriebenen Wappen

Zur Übersicht ein Ausschnitt aus der Ebracher Äbteliste unter Hervorhebung der mit einem bauplastischen Wappen vertretenen Äbte:

Literatur, Links und Quellen:
Kloster Ebrach: http://www.hdbg.eu/kloster/web/index.php/detail/geschichte?id=KS0083
Kloster Ebrach:
http://www.cistercium.info/kloster-m/ebrach.html
Kloster Ebrach:
http://www.sueddeutscher-barock.ch/In-Werke/a-g/Ebrach.html
Kloster Ebrach:
http://www.barockresidenz.de/zisterz-abtei-ebrach.html
Joachim Hotz: Zisterzienserklöster in Oberfranken, Große Kunstführer 98, München 1982, S. 4-36;
Wolfgang Wiemer, Gerd Zimmermann (Hrsg.): Festschrift 700 Jahre Abteikirche Ebrach (1285-1985), Ebrach 1985
Wolfgang Wiemer: Zur Entstehungsgeschichte des neuen Baus der Abtei Ebrach, Quellen und Forschungen zur Geschichte des Bistums und Hochstifts Würzburg Bd. 40, Würzburg 1989;
Gerd Zimmermann: Ebrach, in: Wolfgang Brückner, Jürgen Lenssen (Hrsg.): Zisterzienser in Franken, das alte Bistum Würzburg und seine einstigen Zisterzen, Kirche, Kunst und Kultur in Franken Bd. 2, Würzburg 1991, 77-82.
Wigand Weigand, Anton Ruland: Geschichte der Fränkischen Cisterienser Abtei Ebrach, Krüll, 1834, 142 S., online:
https://books.google.de/books?id=nv1EAAAAYAAJ und https://books.google.de/books?id=qhkFAAAAcAAJ
Wolfgang Wiemer: Zisterzienserabtei Ebrach, Geschichte und Kunst, Großer Kunstführer Schnell & Steiner Bd. 177, 1. Auflage 1992, ISBN 3-7954-0852-0
Grundriß:
http://www.sueddeutscher-barock.ch/Bilder_jpg/grafik/e/Ebrach-1803Gr.jpg
Kloster Ebrach:
http://franken-wiki.de/index.php/Zisterzienserkloster_Ebrach
Zisterze Ebrach:
http://www.foracheim.de/cms.php?cmspid=95
Hildegard Weiss: Die Zisterzienserabtei Ebrach, eine Untersuchung zur Grundherrschaft, Gerichtsherrschaft und Dorfgemeinde im fränkischen Raum (Quellen und Forschungen zur Agrargeschichte), Lucius & Lucius Verlag, 1962, ISBN-10: 3828250564, ISBN-13: 978-3828250567, 147 S.
https://books.google.de/books?id=7u4FXtkoG-QC
Wigand Weigand, Anton Ruland: Geschichte der Fränkischen Cisterienser Abtei Ebrach, Krüll, 1834, 142 S.
https://books.google.de/books?id=qhkFAAAAcAAJ - https://books.google.de/books?id=nv1EAAAAYAAJ
Elke Goez: Das Zisterzienserkloster Ebrach in seiner fränkischen Umwelt, Sonderdruck aus dem 98. Jahrbuch des Historischen Vereins für Mittelfranken 1996/99
www.mgh-bibliothek.de/dokumente/b/b044741.pdf
Liste der Ebracher Äbte:
https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Äbte_von_Ebrach
Wilhelm Sölner:
https://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_I._Sölner
Hieronymus Held:
https://de.wikipedia.org/wiki/Hieronymus_II._Held

Kloster Ebrach (Teil 1)

Ortsregister - Namensregister - Regional-Index
Zurück zur Übersicht Heraldik

Home

© Copyright / Urheberrecht an Text, Graphik und Photos: Bernhard Peter 2016
Impressum
Bestandteil von
www.dr-bernhard-peter.de und www.heraldik-leitfaden.de