Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 399
Trier: Im Schatten der glanzvollen Kurfürsten

Sektkellerei Bernard-Massard (Palais Pillishof)

Etwas versteckt sind zwei Wappensteine in einem Hof der Sektkellerei Bernard-Massard zu sehen. Das Hofportal mit profiliertem Holztor liegt in der Jakobstraße 8. Kurz bevor sich die vom Hauptmarkt nach Nordwesten führende Jakobstraße zum Stockplatz weitet, kennzeichnet linkerhand ein mit Stirn und Längsseite in den Straßenraum vorspringendes schmales Gebäude den Beginn des Anwesens, und die Zufahrt in den Hof führt schräg durch den schmalen Trakt an der Jakobstraße. Insgesamt erstreckt sich der geschäftlich genutzte Komplex rückwärtig bis zur Wilhelm-Rautenstrauch-Straße und bis zur Dietrichstraße. Das eigentliche Haupthaus, das quer zur Jakobstraße angeordnet ist, hat keinen Kontakt zu irgendeiner Straße und zeigt seine Schaufassade nur zum trapezförmigen Innenhof hin.

Der alte Trierer Stadthof trug im Laufe der Zeit viele verschiedene Namen. Im 14. Jh. war er als Pillishof bekannt und gehörte der Schöffenfamilie Praudom. Die Bebauung des Geländes war zu jener Zeit wenig dicht, aufgrund der Entvölkerung der Stadt im Vergleich zur Römerzeit fast ländlich abseits der Hauptstraßen, und so bildete der mittelalterliche Hof das Zentrum eines ausgedehnten landwirtschaftlichen Betriebes mit Acker- und Rebflächen. 1401 kam der Hof durch ein Vermächtnis an das Spital St. Jakob. Danach wechselten sich Schöffen, Schultheißen, Bürgermeister und Beamte als Besitzer ab, bis der Hof 1678 an Johann Georg Schlabarth von Kintzweiler kam.

 

Dieser ließ u. a. einen polygonalen, viergeschossigen Treppenturm errichten, der an der Schmalseite des Hofes steht und in den oberen Stockwerken seitlich mit dem Haupthaus verbrückt ist. Stilistisch ist der Turm der Renaissance zuzurechnen, auch wenn spätere Umbauten das Gebäude mit schlichteren Portal- und Fensterrahmen versehen haben. Über dem über eine kurze Freitreppe zu erreichenden, schmucklosen heutigen Rechteckeingang ist ein bauzeitlicher Wappenstein angebracht. Ein wilder Mann dienst als Schildhalter zwischen den beiden Teilen des Allianzwappens; er ist bärtig dargestellt mit einem Laubkranz um die Stirn und einer grünen Schärpe, die seine Blöße verdeckt. Auf dem Rücken trägt er einen Bogen und einen Pfeilköcher.

Johann Georg Schlabarth von Kin(t)zweiler war kurfürstlicher Generaleinnehmer und Bürgermeister von Trier. Er übernahm das Anwesen 1678 und ließ es umbauen. Dabei entstand auch dieser Treppenturm, dessen Inschrift davon spricht, wie altersbedingt verfallen die Vorgängerbauten waren: "IOANNES GEORGIVS SCHLABARTH A(B) KINTZWEILER CONSVL SCASINVS AC RECEPTOR GENERALIS ELECTORIS TREVIRENSIS AEDES HASCE AETATE COLLAPSAS INSTAVRABAT". Die Inschrift birgt auch ein Chronogramm: I + I + V + C + L + I + I + L + C + V + L + C + I + V + C + C + L + I + L + C + I + I + V + I + D + C + C + L + L + I + V = 1 + 1 + 5 + 100 + 50 + 1 + 1 + 50 + 100 + 5 + 50 + 100 + 1 + 5 + 100 + 100 + 50 + 1 + 50 + 100 + 1 + 1 + 5 + 1 + 500 + 100 + 100 + 50 + 50 + 1 + 5 = 1685.

Das Wappen Schlabarth zeigt eigentlich gemäß Siebmacher Band: Bg9 Seite: 8 Tafel: 9 in Gold einen goldengekrönten schwarzen Löwen mit roter Zunge, auf dem gekrönten Helm mit schwarz-goldenen Decken der Löwe wie beschrieben wachsend. Es hier abweichend angestrichen. Meyer gibt keine Tinkturen an (Bd. 3, S. 17), ebensowenig Zander (S. 125). Das Wappen taucht auch auf einer Stiftertafel im Herrenbrünnchen, im Schöffenbuch der Stadt Trier und auf einem Bild im Museum Simeonstift auf. Johann Georg Schlabarth war nach Meyer der Sohn von Johann Emmerich Schlabarth, Warsberger Hofmann, und dessen Frau Anna Maria Meys.

Das Wappen seiner Ehefrau Anna Maria Margaretha aus der Familie Kruntinger (Gruntinger, Krüntinger) zeigt ein kurzgestieltes Kleeblatt zwischen drei (2:1) Kugeln, auf dem gekrönten Helm das gestielte Kleeblatt wachsend. Hier ist das Kleeblatt grün, die Kugeln sind golden angestrichen. Meyer gibt ein Wappen Gruntinger/Küntunger wieder (Bd. 2, S. 116; Bd. 1, S. 17), mit den Farben nach Zander (S. 116): In Silber ein grünes Kleeblatt zwischen drei (2:1) schwarzen Kugeln, auf dem Helm mit schwarz-silbernen Decken ein aufrechtes grünes Kleeblatt. Anna Maria Margaretha war nach Meyer die Tochter von Hofrat Georg Krüntinger und Elisabeth Brand, genannt Schullerin, und sie wurde am 21.10.1651 geboren. Zwischen 1671 und 1688 wurden dem Paar mehrere Kinder geboren.

Wenn der Blick nach rechts auf das Haupthaus wechselt, sehen wir eines der bedeutendsten Trierer Häuser der Rokokozeit. Das von zwei widersehenden Löwen gehaltene Wappen im geschweiften und geknickten Giebelfeld des Haupthausportals belegt einen weiteren Besitzerwechsel: Von der Mitte des 18. Jh. bis 1798 gehörte das Anwesen der Trierer Familie Reuland und trug nach dieser den Namen Reulanderhof. Der 1755 verstorbene Johann Christian Reuland, Wollenweberamtsmeister von Beruf, ließ das Haupthaus im spätbarocken Stil umbauen. Ungewöhnlich für Trierer Stadthäuser ist die dreigeschossige Planung der barocken Fassade. Das Prunkportal ist bei geöffnetem Holztor bereits von der Jakobstraße aus ein Blickfang. Zwei Pilaster mit Kompositkapitellen tragen das Gebälk und rahmen ein gekehltes Gewände mit Reliefs aus Blumengehängen.

Das Wappen Reuland besitzt eigentlich nach Siebmacher in Silber drei (2:1) grüne Kleeblätter. Es wird beschrieben im Siebmacher Band: Bg9 Seite: 8 Tafel: 8 und ist hier abweichend angestrichen. Im Siebmacher wird als Kleinod zu blau-silbernen Decken drei Straußenfedern angegeben. Meyer (Bd. 3, S. 1-4, Bd. 2, S. 47) und Zander (S. 3 und S. 47) geben als Kleinod einmal die drei silbernen Straußenfedern und einmal ein aufrechtes grünes Kleeblatt zwischen einem silbernen Flug zu jeweils grün-silbernen Decken an. Das Feld ist silbern; die Kleeblätter sind grün. Im Loutsch S. 676 sind es ebenfalls drei grüne Kleeblätter in silbernem Feld (d'argent à trois trèfles de sinople, cimier trois plumes d'autruche d'argent), wobei sich Loutsch auf die vorgenannte Siebmacher-Quelle beruft. Hier am Portal wird das Wappen ohne Kleinod wiedergegeben. Die Genealogie der Familie notieren Meyer und Zander: Der Stammvater der Familie war Hubert Reulandt, der um 1550 in St. Vith geboren wurde und in Antwerpen und Köln zum Buchdrucker ausgebildet wurde. 1619 erwirkte er die ein Jahr zuvor beantragte großherzogliche Erlaubnis, in der Stadt Luxemburg eine Druckerei zu gründen. 1641 verlegte er seine Firma nach Trier, wo er 1662 verstarb. Sein Sohn Christoph Guillaume Reuland führte die väterliche Druckerei fort. Hier steht das Wappen für Johann Christian Reuland (10.5.1703-4.6.1755). Er war Amtsmeister der Leineweber und wurde 1729 im Alter von 26 Jahren Bürgermeister von Trier.

Das Wappen seiner Ehefrau aus der alten bürgerlichen und später in den Adelsstand erhobenen Trierer Familie Nalbach zeigt einen Balken, oben eine aufrechte Wolfsangel mit schräger Mittelstrebe, beiderseits von je drei pfahlweise angeordneten Sternen begleitet, unten ein Fisch zwischen drei (2:1) Sternen. Die Helmzier ist unbekannt. Das Wappen ist nicht im Siebmacher. Meyer (Bd. 6, S. 51; Bd. 2, S. 38; Bd. 3, S. 1-4) und Zander (S. 38) geben die Tinkturen wie folgt: Feld blau, Balken schwarz, alle gemeinen Figuren silbern; Decken rechts schwarz-silbern, links blau-silbern. Auch dort wird auf dem gekrönten Helm kein Kleinod angegeben. Für den Balken läßt sich auch die Farbangabe Gold finden.

Johann Christian Reuland, Sohn von Jakob Reuland, hatte am 20.3.1725 in Trier Eva Maria Domicilla Nalbach (2.9.1701-17.4.1765) geheiratet. Das Paar hatte insgesamt 11 Kinder, darunter Lothar Friedrich Josef (3.11.1727-), Kanoniker im Stift St. Paulin, Johann Michel Josef, Kanoniker im Stift St. Simeon, Carl Caspar Josef Simon (20.12.1734-11.8.1736) und Maria Anna Josepha (18.3.1733-1792), vermählt mit Johann Christoph Eschermann. Der letzte Besitzer des Hauses aus der Familie Reuland war nach Meyer ein weiterer Sohn, Johann Wilhelm Ignatius Jakob Palmatius Joseph Reuland (6.10.1739-21.12.1819), Stadtschultheiß und Wirklicher Geheimrat, der 1766 Maria Magdalena von Hontheim (-21.12.1819) geheiratet hatte, eine Nichte des Weihbischofs von Hontheim. Als die Franzosen 1794 auf Trier anrückten, floh er aus der Stadt. Vier Jahre später verstarb er auswärts. Das Paar hatte zwei Töchter: Maria Klara Josefa Reuland (1784-) heiratete 1808 den aus Petit Coeur bei Nancy stammenden Jost (Johann Josef) Tranchot, einen Ingenieur und französischen Offizier, der im Haus einquartiert war, und nachdem sie verwitwet war, 1834 erneut, und diesmal Johann Leopold Bernard Saal, Major in französischen Diensten, der aber schon 1842 bei einem Treppensturz starb. Eine zweite Tochter, Maria Anna Franziska (1779-), heiratete Johann Peter Josef Saal, Ober-Apellationsrat. Das Haus in der Jakobstraße ging 1850 an G. Manderscheid, der hier erstmalig eine Brauerei einrichtete.

 

Die drei stichbogigen Fenster im Erdgeschoß des Haupthauses besitzen Fratzen auf den Scheitelsteinen (Abb. oben rechts und unten links), ebenso die schräg gelegte Tordurchfahrt in den rückwärtigen Bereich des Anwesens, welche die linke Fensterachse ersetzt (Abb. links oben). Auch das Rundbogengewände des Prunkportals besitzt einen Masken-Schlußstein (Abb. unten rechts).

 

Seit Mitte des 19. Jh. waren in diesem Anwesen nacheinander verschiedene Bierbrauereien angesiedelt. 1919 wechselte das Anwesen erneut die Funktion, als hier die Sektkellerei Bernard-Massard vom Konsul und Sektfachmann Jean Bernard-Massard gegründet wurde. Dieser Firma gehört das weitläufige und äußerlich verwinkelt strukturierte, im Innern aber modern ausgebaute Anwesen auch heute noch; es wird auch ein knappes Jahrhundert später nach wie vor als traditionsreiche Produktionsstätte und als Firmensitz genutzt. Das Allianzwappen Schlabarth und Kruntinger diente als Vorbild für das von der Firma Bernard-Massard verwendete und auf den Flaschenetiketten abgedruckte Logo.

Literatur, Links und Quellen:
Sektkellerei Bernard-Massard: http://www.bernard-massard.de/
Das Unternehmen:
http://www.bernard-massard.de/unternehmen/
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz, Band 17.1, Hrsg. im Auftrag des Ministeriums für Wissenschaft, Weiterbildung, Forschung und Kultur vom Landesamt für Denkmalpflege: Stadt Trier, Altstadt, bearbeitet von Patrick Ostermann, Wernersche Verlagsgesellschaft Worms, 2001, ISBN 3-88462-171-8, S. 262-264.
Georg Jakob Meyer, Hausmarken und Wappen aus dem moselländischen Raum, Band 1, 2, 3, 6.
Anne Marie Zander: Wappen Trierer Ratsherren (kolorierter Meyer)
Palais Pillishof:
http://www.roscheiderhof.de/kulturdb/client/einObjekt.php?id=18477 und http://www.roscheiderhof.de/kulturdb/client/einObjekt.php?id=11695
Treppenturm:
http://www.roscheiderhof.de/kulturdb/client/einObjekt.php?id=18476
Portal:
http://www.roscheiderhof.de/kulturdb/client/einObjekt.php?id=18478

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